ARD, Sonnabend, 29. März: "Grand Prix Eurovision"

Wer am Wochenende fernsieht, hat selber schuld, da rächen sich Programmdirektoren für eine harte Fünftagewoche und schmeißen, Allensbach im Rücken, dem Publikum jene geballte Ladung Schwachsinn ins Wohnzimmer, für die sie selber dann ja dienstfrei haben. Und damit auch nur nichts schiefgeht und jeder weiß, wann er programmgemäß den Geist aufgeben darf, wird das meiste gleich als Serie geliefert. Titel wie "Zum blauen Bock" oder "Alle Hunde lieben Theobald" garantieren für geistige Erholungspausen.

Manchmal freilich gibt’s was "Aktuelles", wird der Äppelwoi mit dem Duft der großen weiten Welt parfümiert, und in Waldwimmersbach hält man ein wenig die Luft an, weil die Ansagerin des "Grand Prix Eurovision" in Madrid sitzt und die Zuschauer aus beinahe aller Welt in zehn verschiedenen Sprachen begrüßt. Wird jetzt gar etwas Unwochenendliches passieren?

Rund 200 Millionen Fernsehzuschauer waren dabei, als der schönste europäische Schlager aus einem Angebot von 16 Ländern erkoren werden sollte. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Noch nie hörte man so viel Gesang mit so wenig Stimme. Die Punktverteiler aus aller Welt (die Wertungen werden über Funk abgerufen!) honorierten das auf ihre Weise und vergaben den ersten Preis gleich viermal. Worauf dem beifallstobenden Publikum im Teatro Real und den 200 Millionen in der Welt gleich vier Viertellieder noch einmal vorgetragen wurden. Und das an einem Abend. Es gibt eben doch noch Dinge, die einem beim "Blauen Bock" erspart bleiben. P. K.

Es "siegten" übrigens Spanien, England, Holland und Frankreich, während der deutsche Beitrag wie immer ferner lief. Das englische Liedchen war wenigstens anspruchslos und lustig.

Und noch ein P. S. Wo das bißchen Weltweit-Zigaretten-Appeal schon darin liegt, daß es gewandt fremdsprachlich zugeht, muß da die ARD einen Sprecher aufbieten, der Englisch genauso spricht, wie der kleine englische Koko sich vorstellt, daß Deutsche Englisch sprechen?