Von Eka von Merveldt

Montag: Im Flugzeug der PanAm las ich auf dem Wege zur 3. Internationalen Tourismusbörse in Berlin, daß der Berliner Senat dem Plan zugestimmt habe, 100 Millionen für ein neues Kongreßzentrum am Funkturm auszugeben. Soll aber erst 1971 fertig werden. Der Senat stockte den Werbeetat auf 13 Millionen auf und beauftragte eine internationale Werbeagentur, der Stadt ein neues "Gesicht" zu geben. Nicht mehr nur "Herz mit Schnauze". Berlin wird umfunktioniert: Glanzvolle gesellschaftliche Ereignisse, internationale Konferenzen, Wochenendeinkauftrips, Filmfestspiele, Bildungsreisen zu den Berliner Museen sollen "helfen, die Stadt aus ihrer Apathie zu reißen". Neueste Werbeaktionen "Geschäfte in Hannover – Übernachtung und Vergnügen in Berlin" (Flug für Messebesucher Berlin–Hannover nur 51 Mark). Die 450 Beherbergungsbetriebe verfügen zur Zeit über 16 000 Hotelbetten. Aber nur zeitweise sind alle Betten voll belegt.

Eröffnungsansprache von Waldemar Fast, dem Vorsitzenden des Kongresses der 3. Tourismusbörse in Berlin: Es habe bisher nicht gemangelt an Skepsis und auch an Kritik an dieser Idee und auch an der Wahl des Ortes. Das braucht nicht verschwiegen zu werden. Auch heute noch gibt es Stimmen, welche recht vernünftig klingende Argumente gegen die Art der Durchführung dieser Veranstaltung, gegen Berlin als geeigneten Austragungsort, ja, gegen den Sinn überhaupt einer solchen internationalen Begegnung laut werden lassen.

Aber... ist es an uns allen, an jedem, der in diesem Saale sitzt, die friedlichste Weltmacht, die es gibt, den internationalen Tourismus, der heute über Hunderte von Millionen von Anhängern und Truppen verfügt, in Bewegung zu halten und zu mehren, auf daß sich Menschen von Nord und Süd, von West und Ost weiterhin und verstärkt millionenfach begegnen und sich kennen- und verstellenlernen ... Von welchem Ort dieser Erde könnte diese normale und größte Sehnsucht normaler Menschen besser wiederholt und bestätigt werden als von hier aus, von Berlin. Deshalb: Internationale Tourismusbörse, Berlin.

Abends von 20 bis 22 Uhr Empfang des Bürgermeisters in der Orangerie des Charlottenburger Schlosses. Keine Minute länger. Als Säumige noch bleiben wollen, gehen die Lichter aus.

Dienstag: Auf vergrößerten Ausstellungsflächen locken Reiseveranstalter, Ländervertreter und staatliche Fremdenverkehrsämter aus 57 Ländern und vier Kontinenten mit ihren Ferienattraktionen. Prospekte, Prospekte. Plakate, Photos in Großformat. Souvenirs, Antiquitäten, Safaritrophäen, Folklore, Tänzer aus Sardinien. Mädchen in Saris, in Tracht. Zwei. Freiballons eines Jugendreiseveranstalters. Dazu die Internationale Boots- und Freizeitschau und Beteiligung von Versicherungsunternehmen für die vielen Reiserisiken, von Mietwagenfirmen und Zeitungsverlagen (Handelsblatt, Welt am Sonntag). Noch stärker als bisher waren die afrikanischen und asiatischen Länder vertreten, die mit

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