In Anlehnung an den sowjetischen Nahost-Friedensplan vom Januar hat Präsident Nixon einen eigenen Neun-Punkte-Vorschlag unterbreitet, dem die anderen Großmächte bereits zugestimmt haben. Diesen Anfangserfolg, errungen durch "stille Diplomatie", kann Washington immerhin auf sein Konto buchen. Nun aber beginnt das weitaus schwierigere Geschäft: ihn auch den unmittelbar Betroffenen schmackhaft zu machen. Hier haben fürs erste alle Überredungskünste und Überzeugungsversuche nichts gefruchtet. Die arabischen Revisionsinteressen und die israelischen Überlebensinteressen lassen sich, je länger die Spannung andauert, immer weniger miteinander in Einklang bringen. Das hat nun auch Nixon, auf den großen Ausgleich zwischen West und Ost bedacht, zu spüren bekommen.

So wies Golda Meir, Jerusalems Regierungschef, in schroffer Form jede Einmischung der Großmächte zur Krisenbewältigung ab. Bei ihrem Amtsantritt vor zwei Wochen hatte sie ihren Widerspruch noch umgänglicher formuliert: "Wir müssen auch unseren Freunden sagen: Ebenso wie sie sich nie träumen ließen, die Lösung ihrer Probleme anderen Parteien zu überlassen, ebenso wagt der kleine Staat Israel es, seinen Freunden klarzumachen, daß in Fragen, die unsere Existenz angehen, keine Entscheidung ohne uns gefällt werden kann." Jetzt wird jeder Lösungsvorschlag von außen a priori für null und nichtig erklärt. Jerusalem beharrt erst recht auf der alten Forderung direkter Friedensverhandlungen zwischen den unmittelbar Beteiligten. Schon sagt auch Dayan wieder voraus, der nächste Sommer werde die Entscheidung bringen, ob es zu einem neuen Krieg kommen werde.

Nicht anders ist Nassers Antwort auf den Vermittlungsplan Nixons ausgefallen. Auch er hält an dem Beschluß fest, der nach dem Juni-Krieg von den arabischen Staatschefs getroffen worden war: Keine Verhandlungen, keine Anerkennung, kein Friede. Sein "Nein" zu dem Befriedungsvorhaben der großen Vier war ebenso unmißverständlich wie das Golda Meirs.

Sind das alles nur verbale Schreckschüsse im diplomatischen Vorfeld? Für den Hausgebrauch ist gewiß manches bestimmt, was der ägyptische Staatschef äußert. Es ist freilich auch die Meinung der meisten Araber, allen voran der Palästinenser und der "Freiheitskämpfer", die mehr und mehr die arabische Politik bestimmen. Gewarnt durch bittere Erfahrungen mit UN-Garantien und Großmächte-Versprechungen wollen sich aber auch die Israelis von ihrer starren Linie nicht abbringen lassen. In dieser grundsätzlichen Abneigung gibt es keine Differenzen zwischen "Falken" und "Tauben". Selbst Washingtons Zustimmung zum gegenwärtigen Jerusalem-Status, die Verknüpfung von Truppenabzug, freier Schiffahrt, Entmilitarisierung der Suezzone und Grenzkorrekturen, wird Israel nicht zur Annahme des Paketvorschlages bewegen. Weder die Amerikaner noch die Sowjets haben wirksame Druckmittel, ihn durchzusetzen. Weder kann Washington Truppen in Israel landen, noch wird Moskau seine Waffenlieferungen einstellen.

Der arabisch-israelische Gleichklang in der Ablehnung des Vermittlungsvorstoßes ist kein Theaterdonner. Er basiert auf Interessen, die keiner von beiden aufzugeben bereit ist. Was bleibt, ist zum einen Unversöhnlichkeit, zum anderen Ratlosigkeit. Eine Entspannung, die Amerika und Rußland anstreben, ist nicht zu sehen. D. St.