Wer sich gegen

Protektionismus wendet,

sollte selbst die

Grenzen offen halten

Am 11. April begibt sich der amerikanische Handelsminister Maurice Stans auf die Reise nach Europa. Seinem Besuch sieht man in Bonn mit gemischten Gefühlen entgegen; denn der Mann aus Amerika möchte offenbar neue protektionistische Wünsche der US-Industrie an den Mann bringen. Nach den mächtigen amerikanischen Stahlherstellern, die eine freiwilligen Lieferbeschränkung der europäischen und der japanischen Konkurrenz durchgesetzt haben, wollen nun Amerikas Textilfabrikanten das gleiche "Recht" für sich beanspruchen.

Um Punkte für sein Anliegen wider den Geist des freien Welthandels zu sammeln, täte Stans gut daran, das Protokoll über die Fragestunde des Bundestages vom Donnerstag vergangener Woche nachzulesen. Er fände seine Vermutung bestätigt, daß es auch in der handelsfreudigen Bundesrepublik genügend schwarze Protesktionisten-Schafe gibt – und zwar vorwiegend in der CDU/CSU.

Diese Lobby hat einer (zeitlich befristeten!) Ausdehnung des innerdeutschen Handels den Garaus gemacht. Nicht etwa aus politischen Gründen, sondern allein aus Rücksicht auf ihre industriellen Wahlhelfer: Die Fabrikanten von Textilien, Glas und Keramik könnten ja womöglich von dem Liefersturm aus Mitteldeutschland an die Wand gedrückt werden.