Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Contracta-Chef Rudolf Ratzel hat nie ein Hehl daraus: gemacht, daß seine Firma – die größte Ferienhaus-Verkaufsgesellschaft der Bundesrepublik– Geld braucht. Wer im Tessin und an der Costa Brava, auf Mallorca und Teneriffa, in Deutschland, Österreich und auf den Bahamas Ferienhäuser baut, ist auf gutwillige Bauunternehmer angewiesen. Sie verlangen bares Geld und sind nicht bereit, ihre Rechnungen bis zum Verkauf der Objekte zurückzustellen..

Bares Geld aber floß nahezu zwei rezessionsbedrückte Jahre lang nur in spärlichen Strömen. Deutsche Banken sind bei der Kreditierung ausländischer Bauobjekte überaus zurückhaltend. Ratzels große Suche nach privaten Geldgebern machte monatelang Schlagzeilen. Der berühmt-berüchtigte Verkaufs-Star hatte wenig Fortune bei seiner Schatzsuche.

Der "Bonner Wirtschaftsdienst" unseligen Angedenkens, dem er eine Großbeteiligung an der Contracta-Holding Euroland einräumet. wollte, hauchte mit einem Anflug von Skandal sein Dasein aus.

Leonard Rosen, dessen in Florida ansässige Immobilien-Großfirma "Gulf American Land Corporation" mit dreißig Millionen Schweizer Franken das Euroland-Kapital von 20 auf 50 Millionen Franken aufstocken wollte, geriet in einen Prozeß mit der für ihre Geschäfte in den Staaten zuständigen Aufsichtsbehörde. Man hatte verkaufte Parzellen ohne Wissen der Käufer gegen andere – wenn auch gleichwertige – umgetauscht.

Diese gerichtliche Auseinandersetzung verzögerte das Rosen-Engagement bei Contracta. Schließlich kam es gar nicht mehr zustande: Leonard Rosen und sein Bruder Julius verkauften ihre "Gulf" an ein amerikanisches Finanzierungs- und Versicherungsunternehmen. Sie sollen dafür – einem Ondit zufolge – insgesamt 240 Millionen Dollar bekommen haben. Aber nichts von diesem Geld dürfen sie – anders als ursprünglich geplant – bei Contracta investieren. Eine Konkurrenzschutzklausel verhindert es. Heute soll die "Gulf" unter Umsatzeinbußen leiden.

Mittlerweile gab es das, was Ratzel als "Tschechenkrise" bezeichnet. Sie und die bei Deutsch-, lands Mittelständlern Unbehagen hervorrufenden APO-Aktionen belebten die Contracta-Geschäfte im Ausland. Allein in den ersten elf Wochen dieses Jahres wurden Häuser Und Grundstücke für 26,5 Millionen Mark verkauft.