Als die Verbindung von Thyssen und Mannesmann vorzeitig bekannt wurde, waren die Bosse des Hoesch-Konzerns genauso überrascht wie andere alte Revierhasen. Die Dortmunder glaubten sich fest im Gespräch mit Mannesmann, um gemeinsam ein Breitbandwalzwerk zu bauen.

Dieses Projekt – das in der Vorplanung schon weit gediehen war, wanderte in den Papierkorb, als Mannesmann sich mit Thyssen einig geworden war. Für den Dortmunder Konzern kam jetzt die Stunde, sich an eine alte Freundschaft mit dem niederländischen Stahlkonzern Hoogovens zu erinnern.

Hoesch und Hoogovens – die Niederländer sind mit 14,4 Prozent am Hoesch-Kapital beteiligt – bauen zusammen ein Stahlwerk in Rotterdam. 1974 soll der erste gemeinsame Rohstahl erschmolzen werden. 2,4 Millionen Tonnen sind das Nahziel. Doch der Ausbau auf 8 Millionen Tonnen in der zweiten und dritten Ausbaustufe wird schon jetzt ebenso mit anvisiert wie der Bau entsprechender Walzwerksanalgen für die immer mehr in den Vordergrund drängende Flachstahlerzeugung.

Die Partner teilen sich die Investitionskosten von 1,5 Milliarden Gulden und werden später auch Produktion und Absatz gemeinsam durchführen. Der erste "europäische" Stahlkonzern gewinnt Konturen.

Allein ist die Hoesch-Gruppe in der Bundesrepublik nach Thyssen der größte Stahlerzeuger. Gut 6 Millionen Tonnen Rohstahl werden gegenwärtig in Dortmund produziert, und dabei soll es auch bleiben.

In der Verbindung mit Hoogovens steuert diese supranationale Gruppierung eine Rohstahlbasis von annähernd 20 Millionen Tonnen an. Das ist das Konzept für die 70er Jahre. nmn