Von Dieter Korp

Es ist wirklich ein Segen, daß die meisten Autofahrer entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten ihrem Auto gegenüber wenig von Neugier geplagt werden. Würden sie beispielsweise einmal einen Blick in das diffizile Innere eines automatischen Getriebes werfen, wäre es fraglich, ob sie auch weiterhin mit der nötigen Gemütsruhe durch den Verkehrsstrom schwimmen würden.

Tatsächlich enthüllt der innere Aufbau eines vollautomatischen Getriebes in geradezu klassischer Weise die zwiespältige Tendenz im modernen Automobilbau: einfachere Bedienung durch kompliziertere Technik; Es ist freilich eine glückliche Fügung, daß die wachsende Trägheit des Menschen durch schnellen Fortschritt aufgewogen wird. Aber man muß gerecht sein, diese Trägheit, bestimmte Handgriffe auszuführen, ist ja nichts anderes als Überforderung durch die immer größer werdende Verkehrsdichte. Je dicker die Verkehrsmarmelade ist, um so häufiger muß man kuppeln, schalten und natürlich bremsen und Gas geben.

Vom Gasgeben kann man sich wohl kaum befreien, aber das Bremsen und das Lenken wird vielfach schon durch Kraftverstärker erleichtert. Kuppeln und Schalten kann ganz entfallen, wenn man das entsprechende automatische Getriebe mit einkauft.

Die Zeiten sind vorbei, da man über Automatik-Fahrer mitleidig lächelt. Selbst reinblütige sportliche Wagen wie Porsche können auf Wunsch mit einer solchen Bedienungserleichterung geliefert werden. Allerdings hat man sich hier stärkere Eingriffsmöglichkeiten für den Fahrer vorbehalten.

Daimler-Benz meldete nun die Produktion des 250 000sten vollautomatischen Getriebes. Das ist in der Tat ein interessanter Meilenstein. Denn rechnet man nach, würde das bedeuten, daß sich jeder dritte Mercedes-Fahrer für ein solches Heinzelmännchen entscheidet. Der Trend geht also, und in dieser Klasse besonders ausgeprägt, klar zur Schalterleichterung, eine Entwicklung, die in den USA praktisch schon abgeschlossen ist. Dort gehört heute die Automatik zum serienmäßigen Lieferumfang, handgeschaltete Getriebe gibt es nur gegen Aufpreis.

Indessen, Westeuropa ist immer noch weit davon entfernt, mit Amerika vergleichbar zu werden, und das trifft auch auf diesen speziellen Bereich zu. Die engeren Verkehrswege, der hektischere Verkehrsablauf und die kleineren Motoren zwingen zu einer anderen Art der Schalterleichterung. Die Getriebe müssen stärker abgestuft sein, das heißt, es werden mehrere Gänge gebraucht, die, versteht sich, natürlich automatisch geschaltet werden können. Und im Interesse eines möglichst guten Spurtvermögens sollte der Fahrer noch weitgehender als sein amerikanischer Kollege das automatische Ding unter Kontrolle halten können.