Von Hellmuth Karasek

Jemand, der sich plötzlich in eine unbekannte, labyrinthische Gegend versetzt fühlte, in der nichts, aber auch gar nichts ihm vertraut vorkäme, hätte eine alptraumartige Erfahrung gemacht. Jemand, der in scheinbar vertrautester Umgebung auf einmal alles als unheimlich, unvertraut, fremd empfände, hätte eine noch mehr alptraumartige Erfahrung gemacht.

Die neuen Texte von

Peter Handke: "Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt"; edition suhrkamp 307, Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 150 S., 3,– DM

vollziehen schon im Titel einen solchen erschreckenden Wechsel der Erfahrungsbereiche. Denn die "Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt", das ist einmal das Staunen und Erschrecken darüber, daß dem Autor das scheinbar Vertrauteste, nämlich die Sprache, als das Unheimlichste erscheint, als ungesicherte Außenwelt, der die Innenwelt, sagen wir ruhig altmodisch: das Ich, sich ausliefern muß, ständig vorgebend, es gäbe da statt Vorgeformtem Spontanes, statt Zwang Freiheit, statt eines starren Gefäßes ein knetbares, anpassungswilliges Medium.

Handke sinnt vorwiegend dem Modellcharakter der Sprache nach: Das Satzgefüge erscheint dann plötzlich als etwas, das unsere Gedanken gefügig macht. Falls es erlaubt ist, das bildhafter auszudrücken: während wir, indem wir uns ausdrücken, fröhlich die Sprache als freie Wildbahn unserer Gedanken, Wünsche, Triebe betrachten, zeigen Handkes Texte, wie wir in der Sprache eingepfercht werden, wie Sätze uns umpflocken, wie wir uns in grammatikalische Modelle begeben wie in Zwangsjacken.

Diese Beschreibung der Handkeschen Texte bliebe einseitig und schief, wenn man ihnen nur die Absicht unterstellte, sie wollten vorführen, wie die Sprache das Besondere zum Allgemeinen abschleift, wie sie der Sucht nach Einmaligkeit das Klischee, die Norm als Uniform überstülpt.