Trotz immer noch bestehender Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien zweifelt in Bonn niemand mehr daran, daß die Lohnfortzahlung, die volle arbeitsrechtliche Gleichstellung der Arbeiter mit den Angestellten im Krankheitsfall, in dieser Legislaturperiode Wirklichkeit werden wird.

Wenn es bei dem vorgesehenen Termin, dem 1. Juli 1969 bleibt, dann wird bis auf den Tag genau 12 Jahre nach Verabschiedung des Ersten Lohnfortzahlungsgesetzes eines, der bedeutendsten sozialpolitischen Projekte der Nachkriegszeit endgültig zum Abschluß gebracht sein.

Am 1. Juli des Wahljahres 1957 trat das "Gesetz zur wirtschaftlichen Sicherung der Arbeiter im Krankheitsfall" in Kraft. Die wichtigsten Bestimmungen dieses "Ersten Lohnfortzahlungsgesetzes" waren:

  • Erhöhung des (von den Krankenkassen gezahlten) Krankengeldes für alleinstehende Arbeiter in den ersten sechs Wochen auf 65 Prozent des Grundlohnes;
  • Zuschläge, von vier Prozent für den ersten und je drei Prozent für jeden weiteren Angehörigen bis zur Höchstgrenze von 75 Prozent des Grundlohnes; • Arbeitgeberzuschuß in Höhe der Differenz zwischen Krankengeld und 90 Prozent des Nettolohnes;
  • Verkürzung der Karenzzeit von drei auf zwei Tage und Wegfall der Karenztage, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als 14 Tage dauert oder auf Unfall beziehungsweise Berufskrankheit beruht.

Wiederum noch rechtzeitig vor der nächsten Bundestagswahl, am 1. August 1961, trat das "Gesetz zur Änderung und Ergänzung des Gesetzes über die wirtschaftliche Sicherung der Arbeiter im Krankheitsfall" in Kraft. Das "Zweite Lohnfortzahlungsgesetz" bescherte den Arbeitern:

  • Beseitigung der Karenztage;
  • Aufstockung des Krankengeldes für die ersten sechs Wochen durch Arbeitgeberzuschuß auf 100 Prozent des Nettolohnes.

Mit dem bevorstehenden "Dritten Lohnfortzahlungsgesetz", beschlossen im Wahljahr 1969, wird nun die völlige materielle Gleichstellung der Arbeiter mit den Angestellten vollzogen werden. Die Kassen werden für die ersten sechs Wochen von der Zahlung des Krankengeldes entbunden. Die Arbeitgeber zahlen auch erkrankten Arbeitern den vollen Bruttolohn.