Von Kilian Gassner

München

Aus einem altdeutschen Rahmen blickt ein Opa mit Kaiser-Wilhelm-Bart und randloser Brille. Er lächelt sanftmütig. "Das ist Monsignore Reichenberger, der Schirmherr der Sudetendeutschen", flüstert eine Bürodame. Unter dem Porträt sitzt das Rechtsaußen-Ärgernis der bundesdeutschen Publizistik, Dr. Gerhard Frey, Herausgeber und Chefredakteur der Deutschen National-Zeitung.

Die Verbindung mit dem Monsignore ist nur verständlich, wenn man weiß, daß Reichenberger und Frey gemeinsam als Gründer des Wochenblattes "Der Sudetendeutsche" firmieren. Im Untertitel als "Landesausgabe der National-Zeitung" kenntlich gemacht, teilt das Blatt dem unwissenden Leser regelmäßig in einem Kästchen auf der Titelseite mit, daß das "Sudetenland Teil Deutschlands" sei. Der Leser muß überdies beglückt sein: Im Innern des Blattes findet er ebenfalls regelmäßig den Hinweis: "National-Zeitungs-Leser wissen die Wahrheit!"

Um die Wahrheit einem größeren Kreis deutscher Menschen näherzubringen, hatte Frey zu einer Pressekonferenz in die Münchner Privat- und Verlagsvilla an der Paosostraße gebeten. Ordnung muß sein: "Von 9 Uhr bis 9.30 Uhr kaltes Büfett, anschließend bis 10.30 Uhr Pressekonferenz." Die leckeren Häppchen und Salate, geliefert vom ersten Delikatessengeschäft der Stadt, fanden nicht die gebührende Beachtung der Geladenen, Während Frey bereits mitten in der Beantwortung der Frage war, was er unter "nationaler Gesinnung" verstehe, ließen die Angestellten im Nebenraum für sich die Sektpfropfen knallen.

Nachdem die Bundesregierung beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ein Verfahren gegen Frey auf Aberkennung des Grundrechts der freien Meinungsäußerung und die Auflösung seiner Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH beantragt hat, geht es dem Rechts-Kämpfer vor allem darum, endlich seine Meinung zu dieser Angelegenheit an den Mann zu bringen. Zunächst ließ Frey in seinem rechtsradikalen Blatt einen Mitarbeiter klagen: "Würde Dr. Frey keine Zeitungen lesen, kein Radio hören, kein Fernsehen empfangen, er hätte gar keine Ahnung davon, daß er zum Paradebeispiel für die erste, von langer Hand vorbereitete Bonner Offensive gegen Pressefreiheit und Grundgesetz ausersehen wurde."

Es ärgerte den Chefredakteur der auf Dorf-Stammtisch-Niveau gemachten National-Zeitung, daß "kein Fernsehsender, keine Rundfunkanstalt, fast keine Tageszeitung, keine Wochenzeitung (auch nicht solche, die vorgeben, national zu sein) ihm auch nur eine Minute oder zehn Zeilen zur Erwiderung auf die Beschimpfungen Bonns zur Verfügung gestellt" habe. Er sieht eine gezielte Kränkung darin, daß "ein großer Teil der bundesdeutschen Tageszeitungen" sich angewöhnt habe, den Chefredakteur Dr. Frey "stets Frey zu nennen" – wo er doch einen rechtmäßig erworbenen Doktortitel hat.