Von Erhard Eppler

Manche Verwaltung ähnelt einem Schrebergarten, wo jedes Salatbeet, jeder Johannisbeerstrauch, sogar das obligate Ruhebänkchen, seit Jahrzehnten seinen genau abgezirkelten Platz hat. Entwicklungspolitik hingegen gleicht eher dem Busch: Da tummeln sich allerhand Herden, kleine Bauern pflanzen etwas Kaffee oder Kakao im Schatten uralter Bäume, während woanders die Planierraupen Platz schaffen für riesige Ananasplantagen. Kurz: Entwicklungspolitik hat weniger Erfahrung, dafür mehr freien. Raum, mehr Zukunft als andere Disziplinen der Verwaltung. Fast täglich ergeben sich neue Fragen, und es gibt weniges, was nicht dauernd in Frage gestellt würde.

Auch bei der Entscheidung über einzelne Projekte drängt sich immer wieder die Frage auf, was Entwicklungspolitik eigentlich sei: eines von mehreren Werkzeugen zur Durchsetzung außenpolitischer Ziele, ein Instrument der Exportförderung oder ein karitatives Unternehmen, in dem politische Erwägungen keinen Platz haben? Wäre sie nur eines davon, so könnten wir nicht nur das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, sondern auch den Begriff der Entwicklungspolitik streichen.

Es fehlt nicht an Literatur über Entwicklungspolitik. Aber es fehlt an einer praktischen Grundformel für das, was wir wollen. Eine solche Grundformel hat sich nun herausgeschält aus langen Diskussionen. Sie lautet: Generalformel zur Entwicklungspolitik.

Das wirtschaftliche und soziale Gefälle zwischen den industrialisierten Zonen und den Entwicklungsgebieten der Erde schafft Konflikte und erhält Abhängigkeiten.

Entwicklungspolitik soll Völkern helfen, sich selbst zu helfen. Sie fordert die Lernfähigkeit auch unserer Gesellschaft heraus, ihre Bereitschaft, die Sorgen anderer Völker zu teilen und ihre Entscheidungen ernst zu nehmen. Entwicklungspolitik ist Ansatz zu einer Weltinnenpolitik. Sie tut das Nächstliegende in einer revolutionären Weltlage.

Ich möchte versuchen, diese Formel in 12 Punkten zu erläutern.