Mail-Order – ein neuer Markt für Bücher

Von Jochen Greven

Es ist oft genug bemerkt worden, daß Bestsellerlisten nur einen Ausschnitt des Büchermarkts, und diesen oft genug noch verzerrt, spiegeln. Es fehlen darin alle die älteren Titel, deren still ablaufender täglicher Verkauf den der neuerschienenen Schnellstarter noch übertrifft, und es fehlen die Millionenerfolge der Buchgemeinschaften. Es fehlt aber auch eine weitere Kategorie von Büchern, die man ebensowenig auf den Literaturseiten besprochen findet, obwohl es sich um zweifelsfreie Neuerscheinungen handelt: Bücher, die in erster Linie direkt vom Verlag an den Käufer gelangen.

Der Verlag "Das Beste" in Stuttgart, besser bekannt als der Verlag von Reader’s Digest, erzielt mit solchen Büchern – zehn bis zwölf pro Jahr – einen höheren Umsatz als mit der Zeitschrift, obgleich deren Verkaufsauflage immerhin bei über 1,3 Millionen liegt. Sein Weltatlas – absoluter Spitzentitel in dieser Buchkategorie – erreichte in wenigen Jahren eine Auflage von 700 000, sein Autoreisehandbuch innerhalb eines Jahres rund 450 000, aber selbst von dem alljährlich erscheinenden Jugendbuch werden in wenigen Monaten über 200 000 Exemplare verkauft.

Time-Life International, mit Sitz in Amsterdam, verkaufte 1968 auf dem deutschen Markt über 700 000 Bände (aus vier Buchreihen mit zur Zeit 86 Titeln, von denen 33 im Jahr 1968. erschienen).

Bertelsmann hat vor zwei Jahren den Buchhandel zu einer Kooperation eingeladen und bietet nun fünf bis sechs Bücher im Jahr teils für Rechnung der mitarbeitenden Firmen des Reise- und Versandbuchhandels und des Sortiments, teils über eine hauseigene Versandbuchhandlung an; man verfügt dabei über etwa fünf Millionen Buchkäuferadressen in der eigenen elektronischen Speicherung. Die Verkaufszahlen gehen auch hier in die Hunderttausende.

Bescheidener in den zahlenmäßigen Dimensionen, aber nicht weniger rührig arbeitet Editions Rencontre in Köln, der Zweig eines schweizerischen Unternehmens. Dort werden vorwiegend Klassiker-Gesamtausgaben, historische und kunsthistorische Reihenwerke auf dem Subskriptionsweg vertrieben – in Auflagen zwischen 20 000 und 60 000.