Das Jahr 1968 brachte der Deutschen Bank den bisher höchsten Gewinn der Nachkriegszeit. Am deutlichsten wird das an der Steuerposition, die mit 136,5 Millionen Mark erscheint. 1960, bisheriges Spitzenjahr, erforderte "nur" 136,2 Millionen. Der damals erwirtschaftete Gewinn wurde mit einem ausgewiesenen Eigenkapital von 550 Millionen Mark erwirtschaftet, 1968 waren dazu bereits 1,3 Milliarden Mark nötig. Daraus wird deutlich, wie sich die Kapitalrendite seither ständig verschlechtert und wie weit die "Umverteilung" der Gewinne bereits Platz gegriffen hat. Nutznießer dieser Tendenz waren nicht nur die Belegschaftsmitglieder, sondern auch die Kundschaft, die von dem immer härter werdenden Wettbewerb profitiert. Leidtragende waren eindeutig die Aktionäre, ohne daß sie allerdings direkte finanzielle Einbußen erleiden mußten und immer noch mit ihrer Anlage in Aktien der Deutschen Bank zufrieden sein können.

Wenn man nun davon ausgeht, daß rund 52 Prozent des versteuerten (und steuerfrei zugeflossenen) Gewinns ausgeschüttet werden, so beträgt der Jahresüberschuß nicht nur 136,4 Millionen – wie ausgewiesen –, sondern 166,3 Millionen. Rund 30 Millionen sind also in die stillen Reserven gegangen, 50 Millionen in die offenen. Unter diesen Umständen kann man von einem Gewinn je Aktie über 50 Mark Nennwert von etwa 17,30 Mark ausgehen. Davon werden 9 Mark ausgeschüttet.

Ohne Zweifel wird es über die Höhe der Ausschüttung auf der kommenden Hauptversammlung einige Unmutsäußerungen geben. Oberflächlich betrachtet bedeutet dieser Ausschüttungsvorschlag gegenüber dem Vorjahr, als die Aktionäre 8 Mark je Aktie, aber noch einen Bonus von 2 Mark erhielten, eine Schlechterstellung. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, daß der vorjährige Bonus die weitergegebene Rückerstattung zu Unrecht gezahlter Zweigstellensteuer darstellte, also aus einem "Gewinn" stammte, der nichts mit dem laufenden Geschäftsjahr zu tun hatte. Schon damals hatte der Vorstand keinen Zweifel an der "Einmaligkeit" des Bonus gelassen. Er hatte aber auch gleichzeitig erklärt, daß mit der erstmals duchgeführten Kapitalerhöhung über pari (5:1 zu 250) Schluß sein sollte mit der bisherigen zementierten Dividendenpolitik. "In guten". Jahren würde Künftig die Auhchüttung erhöht werden. Das ist jetzt der Fall. Vielleicht hätte man noch etwas mehr tun können. Aufsichtsratsvorsitzender Abs hat zu diesem Thema am Jahresbeginn gesagt: "Wir wollen noch etwas im Köcher behalten für unser 100jähriges Jubiläum im kommenden Jahr." Über die Art und Höhe des Jubiläums "geschenks" an die Aktionäre haben sich die beiden Vorstandssprecher Dr. Karl Klasen und Franz Heinrich Ulrich ebensowenig ausgelassen. Sicher dürfte sein, daß die Deutsche Bank sich nicht kleinlich gebärden wird, auch gegenüber ihren Angestellten nicht.