Von Horst Kiinnemann

Auch im zehnten Jahr seines Bestehens steuert der Signal-Verlag Hans Frevert (Baden-Baden) konsequent seinen Kurs, junge Leser für voll zu nehmen, ihnen ein paar Wahrheiten zu bieten, ihnen zuzutrauen und zuzumuten, sich unserer Zeit zu stellen, selbständig kritisches und damit politisches Denken zu praktizieren. Gegenwarts- und Geschichtsbegegnung erfolgt nicht als Weißwäscherei, sondern als Zusammenstoß mit dem Unbequemen –

"Wir leben nicht allein", herausgegeben von Heinz Vonhoff; 190 S., Abb., 14,80 DM

verrät vom relativ harmlos klingenden Titel her wenig über die "Zeugen der Menschlichkeit", die sich als Armenpriester, Kämpfer gegen soziale Mißstände, Rassendiskriminierung, als Missionare auf exponierten Posten für Unterdrückte, Beleidigte und Geschundene einsetzten. In einer Zeit, da Leitbilder suspekt geworden sind, wird eine Reihe imponierender Persönlichkeiten porträtiert von bewährten Autoren wie Kurt Lütgen, Wolfgang Weyrauch, Hans Fischer-Barnicol und Hans-Georg Noack. Zu den Dargestellten gehören Abbé Pierre, die Kollwitz, Albert Luthuli, Charles de Foucauld und Danilo Dolci.

Konsequenter klingt:

"Verachtet – gehetzt – verstoßen", herausgegeben von Hannah Vogt; 272 S., 50 Abb., 19,80 DM.

Menschen von Menschen verfolgt, aus politischen, rassischen und konfessionellen Gründen, ergibt ein Kompendium der Unmenschlichkeit, zusammengestellt aus Originaltexten, Erzählungen, dramatischen Szenen und Gerichtsprotokollen. Jeder Textteil löst Denkprozesse aus, steuert junge Leser, aber nicht nur sie, in Diskussionen, die zu vertieften Einsichten über menschliche Intoleranz und ihre vernichtenden Folgen führen können.