Zum erstenmal seit dem Jahreswechsel, seit der Verurteilung Israels wegen des Überfalls auf den Flughafen von Beirut, beschäftigte sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am vorigen Wochenende wieder mit dem Nahost-Konflikt. Aber die Debatte lief sich schon nach drei Tagen fest, ohne konkrete Ergebnisse zu zeitigen. Das 15-Mächte-Gremium vertagte sich am Montag.

Den Vorwand für die Vertagung lieferten der Tod Eisenhowers und die Trauerfeierlichkeiten in Washington. Der wahre Grund lag tiefer: Die afro-asiatischen Mitglieder des Sicherheitsrates hatten einen Resolutionsentwurf im UN-Hauptquartier verbreitet (nicht aber formell im Rat eingebracht), der die Israelis für ihre jüngsten Luftangriffe auf jordanisches Gebiet verurteilen soll. Dagegen hatten die, Delegierten der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion zur Mäßigung geraten. Sie wollen die Vierergespräche nicht gefährden, die noch in dieser Woche beginnen sollen.

Die Aussichten für eine von den vier Großmächten initiierte Nahost-Lösung sind indessen schlecht. Das israelische Kabinett veröffentlichte nach zwei Sitzungen am Sonntag einKommuniqué, in dem "jede Lösung und jedes Verfahren, dem die betroffenen Länder nicht zugestimmt haben", abgelehnt werden. Israel lasse sich nicht zum "Objekt der Machtpolitik" machen,

Am gleichen Tag forderte der ägyptische Staatspräsident Nasser die Israelis auf, die besetzten Gebiete wieder herauszugeben. Sonst sei ein neuer Krieg unvermeidlich. Regierungssprecher Zayat hatte zuvor erklärt, Ägypten werde jede Zwangslösung der Großmächte ablehnen, sofern sie von der Nahost-Resolution des Sicherheitsrates vom 22. November 1967 abweiche.

Beide Seiten beharrten also auf ihren Maximalforderungen – Israel auf direkten Verhandlungen mit den Arabern, Ägypten auf der vorgängigen Rückgabe aller besetzten Gebiete. Der amerikanische Paket-Friedensplan sieht freilich außer demilitarisierten Zonen und freier Schiffahrt auf dem Suezkanal vor, daß Jerusalem unter israelischer Kontrolle vereinigt bleiben soll. Die Sowjets hatten schon vor drei Monaten entsprechend der Nahost-Resolution eine detaillierte Zugum-Zug-Lösung entwickelt, die mit dem Rückzug der Israelis aus allen besetzten Gebieten beginnen sollte. Jede Seite verdächtigt jetzt die andere, sie werde von den Großmächten bevorzugt.