... ein Bilderbuch

John Burningham: "Harquin, der Fuchs"; Otto Maier Verlag, Ravensburg; 9,80 DM.

Füchse sind in der Kinderstube gerngesehene Gäste. Jedenfalls wenn sie im Bilderbuch oder im Kinderlied daherkommen. Daß sie Verbotenes tun und deshalb mit Strafe rechnen müssen, sichert ihnen mit Entrüstung gemischte Sympathie. Die Fuchsgeschichte von John Burningham, der seine Tierbilderbücher selber textet und illustriert, ist kindlichen Erfahrungen und Wünschen noch mehr angenähert. Denn der junge Fuchs Harquin verläßt den einsamen Berg entgegen elterlichem Verbot, um im Tal Hasen und Hühner zu rauben. Damit bringt er die Jäger auf die Spur der ganzen Fuchsfamilie. Vater schimpft, Mutter weint. Aber bei der großen Fuchsjagd am nächsten Sonntag zeigt sich, daß Harquin mehr kann, als ungehorsam sein. Er lockt die Rotröcke in den Sumpf, wo sie nur so von den Pferden purzeln, und entkommt selbst auf einem Schleichweg. Und natürlich wird er zu Hause mit Jubel wieder aufgenommen, denn den Jägern ist ein für allemal die Lust an der Fuchsjagd vergangen. Das alles hat von Seite zu Seite wirkliche Spannung. Die Bilder (Vater Fuchs in blauen Pantoffeln vor dem häuslichen Kamin) haben Humor, suggerieren aber auch das Unheimliche eines nächtlichen Raubzugs und das Aufregende einer Fuchsjagd mit Hunden und Pferden. Abenteuerlust erhält hier die für das Bilderbuchalter richtige Dimension. A. G.

... einen Kinderroman

Ana Maria Matute: "Juju und die fernen Inseln", aus dem Spanischen von Juliane Piron, illustriert von Wilfried Blecher; Paulus Verlag, Recklinghausen; 94 S., 8,80 DM.

Der Junge Juju ist so eigenwillig, fremd und fern wie das Mädchen Poesie in den Märchen der Romantiker. Ana Maria Matute, Spaniens vielfach preisgekrönte Schriftstellerin, erzählt vom Findelkind Juju, das zwischen drei unverheirateten Schwestern aufwächst, für kurze Zeit einen flüchtigen Dieb in seiner Dachkammer beherbergt, sich von ihm willig ins männlichabenteuerliche Reich der Phantasie zu fernen Inseln verführen läßt und schließlich eben von diesem Dieb, dem Juju zur Flucht verhelfen wollte, vorm Tode gerettet wird. Dieser Roman wird jüngeren Kindern wegen der Abenteuer, der vielen Geschichten in der Geschichte und der sonderbaren Tanten gefallen. Ältere Kinder berührt er durch seine Auseinandersetzung mit Verantwortung, Illusion und Gefahr, durch die Darstellung der Entwicklung, die das Kind und der Träumer Juju bis an die Grenze des Erwachsenwerdens ‚zu. durchlaufen, hat, Erwachsene, bezaubert er durch die Schönheit und Klarheit der Erfindung und durch jenen schmerzlichen Ernst, mit dem der Abschied von der Kinderwelt als ein Verlust verstanden wird, der in Wahrheit durch nichts ausgeglichen werden kann. sy

... ein Mädchenbuch