Von Rolf Diekhof

Winter am Kamener See. Wer zum erstenmal an das Ostufer kommt, ist verdutzt. Jenseits der gefrorenen Fläche sieht es aus "wie bei Indianern im Winter". Braun, mit ein paar hellen Flecken, heben sich die "Indianerhäuser" als spitzwinklige Dreiecke scharf vom Schnee ab.

Neunundzwanzig Zelthäuser stehen, in zwei Reihen gestaffelt, am Westufer des Kamener Sees. Der Architekt Günther Bertelmann baute die eigenwilligen Eigenheime im vorigen Jahr. Heute ist die Siedlung fest in der Hand Bremischer Hanseaten. Der See bei dem Dorf Rethorn ist nur sieben Kilometer von Bremen entfernt.

Mit ihren bis auf den Boden heruntergezogenen Ziegeldächern (Frankfurter Pfannen) sehen die Zelthäuser aus, als seien sie nach der unvernünftigsten aller denkbaren Methoden gebaut worden. Die Breitseiten sind nur schräges Dach, die Stirnseiten spitze Dreiecke. "Da gibt’s ja nur Zimmer mit schrägen Wänden", denkt man.

Bertelmann verteidigt seine Zelthäuser: "Die sind aus rein rationellen Gründen so gebaut." Ein konventionelles Haus mit der gleichen Wohnfläche und in gleichwertiger Bauqualität würde teurer sein. Außerdem stand er unter dem Druck einer "moralischen Auflage": "Das Feriendorf mußte in die Landschaft eingebettet werden."

Tatsächlich sind die Häuser mit ihren gut 40 Quadratmetern Wohnfläche in zwei Stockwerken recht komfortabel. Die Wände sind aus massivem Mauerwerk und bis zu einer Höhe von 1,60 Meter senkrecht. Im 19 Quadratmeter großen Wohnzimmer stört die kleine Schräge an der Decke überhaupt nicht.

Außer dem Wohnzimmer gibt es im Parterre noch Küche, Diele und ein Badezimmer mit Dusche. Im oberen Stockwerk (Holzbau) liegen zwei kleine Schlafzimmer. Die Zimmerchen, ganz holzverkleidet, sind recht gemütlich. Wer die Gewohnheit hat, aus dem Schlaf hochzufahren, wird sich allerdings oft den Kopf stoßen.