Es war ein ganz cleverer Ministerialbeamter, der als erster den Vorschlag machte, die Universitätsreform auf die Philosophischen Fakultäten zu beschränken, die Naturwissenschaften jedoch, und vor allem die Medizin, herauszulassen.

In diesem Spiel sind drei hohe Trümpfe, und deswegen steht zu fürchten, daß es auch noch gespielt werden wird, wenn nicht mit offenen, dann mit verdeckten Karten.

1. Trumpf: In der Tat bietet die Philosophische Fakultät die meisten Angriffsflächen. Sie tut sich schwer, in unphilosophischer, weder teleologisch noch historisch orientierter Zeit so etwas wie ein Selbstverständnis zu finden.

2. Trumpf: Die Studentenunruhen sind zwar längst nicht mehr auf die Philosophische Fakultät beschränkt, aber noch immer sind vor allem dort die großen Unruheherde: einerseits, weil die Veränderung der Gesellschaft zu den Studiengegenständen dieser Fakultät gehört; andererseits, weil philosophische Lehrveranstaltungen, auch im Sinne eines rein physischen Leistungszwanges, weniger zwingend sind als Arbeiten in Labors und Kliniken: über Shakespeare oder Max Weber läßt sich mit viver Intelligenz in zwei Wochen viel Material für Prüfungsdiskussionen sammeln; Kliniken und Laboratorien verlangen jahrelange und leicht kontrollierbare Präsenz.

3. Trumpf: Ob ein Englischlehrer gut ausgebildet ist oder schlecht, interessiert wenige; ob ein Soziologe etwas kann oder nicht, interessiert so gut wie niemanden (denn so gut wie niemand ist in der Lage, das wirklich zu beurteilen); ein schlecht ausgebildeter Zahnarzt hingegen ist jedem ein Graus.

Der Spruch, am Krankenbett höre die Demokratie auf und die Verantwortung für Leben oder Tod könne am Ende nur einer tragen, hat für alle, die leben wollen, etwas ungemein Bestechendes. Da Krankheit und Tod am Ende jeden von uns erwarten, sind wir nur allzu bereit, den großen Medizinmännern, den deutschen Medizinprofessoren, Sonderrechte einzuräumen.

Wie sehr eine gottlose Welt diesen Trend gefördert hat, wird einem klar, wenn man sich die erstaunliche Entwicklung des ärztlichen Sozialprestiges betrachtet: Vor dreihundert Jahren noch rangierte der Chirurg in der Nähe des Friseurs – und heute?