Wenn ein Lebewesen altert, dann muß das, was alt macht, in seinen Zellen zu entdecken sein. Doch alte Zellen teilen und vermehren sich so flott wie jugendliche. Was unterscheidet dann aber eine alte von einer jungen Zelle?

Die zur Zeit überzeugendste Theorie, die der amerikanische Biochemiker Dr. Leslie Orgel im Jahre 1963 aufgestellt hat, konnte jüngst in einer Reihe von Experimenten an Pilzen erhärtet werden.

Nach Orgels Theorie besteht der Alterungsprozeß darin, daß den Zellen bei der Synthese von Eiweißstoffen im Laufe der Zeit Fehler unterlaufen. Enzyme regieren die Eiweißproduktion. Sie helfen als Katalysatoren beim Aufbau der Eiweißstoffe, die für das Individuum kennzeichnend sind. Entsteht nun gelegentlich ein falsches nicht spezifisches Eiweiß, dann richtet es im Haufen der korrekt zusammengesetzten keinen großen Schaden an. Fällt jedoch einmal ein Enzym, das ja auch ein von der Zelle synthetischer Eiweißstoff ist, nicht ganz korrekt aus, dann füllt es die Zelle mit lauter fehlerhaften Eiweißstoffen, und das kann, wenn im Laufe des Lebens immer mehr Zellen in ihrer Enzymproduktion von der Norm abweichen, erhebliche Folgen haben. Es ist möglich, daß eine mit chemischen Irrtümern arbeitende Zelle einen Lawineneffekt auslöst, der zum raschen Verfall des Gewebes führt.

In einem Experiment, das Dr. R. Holliday am National Institute of Medical Research in Mill. Hill (England) ausgeführt hat, wurden Pilze mit Aminosäuren (Eiweiß-Bausteinen) gefüttert, die chemisch etwas von denen verschieden waren, aus denen die Pilzzellen ihre Enzyme aufbauen. Tatsächlich benutzten die Zellen dieses fehlerhafte Material zur Eiweißsynthese, und so entstanden von der Norm abweichende Enzyme.

Die so behandelten Pilze alterten vorzeitig, womit Holliday ein neues Indiz für die Gültigkeit der Theorie von Orgel geliefert hat. Ein Beweis für die Orgeische Hypothese ist das Versuchsresultat, wie der britische Gelehrte in seinem Bericht in der Zeitschrift "Nature" (29. März) betont, freilich nicht, doch läßt es sich so am leichtesten verstehen.

H. A. G.