Von Claus Bartholdt

Man traf sich in Karatschi. Vertreter berühmter Reedereien wie der American President Lines, der British Indian Steam Navigation Co., der australischen P & O Steam Navigation Co. und der Deutschen Dampfschifffahrtsgesellschaft "Hansa" hatten sich versammelt, und erstmals gehörte zu diesem illustren Kreis auch die VEB Deutsche Seereederei Rostock. Hier, bei den "India-Pakistan-United Kingdom-Continent-Conferences" konnten die Genossen Reedereidirektoren endlich den Duft der internationalen Anerkennung schnuppern, der "drüben" so begehrt ist.

Das war am 19. Februar dieses Jahres. Lange hatte man auf diesen Tag warten müssen, an dem man so selbstverständlich "dazu" gehört.

Während es sonst einzelne deutsche Reeder – von Maklern, Abladern und Verladern gar nicht zu sprechen – völlig kalt läßt, ob sie ihre Geschäfte mit dem Lande Maos, Fidel Castros oder den Staaten des Ostblocks machen, zeigten sie der DDR lange Zeit die kalte Schulter.

Getreu der Devise "Hamburg ist der westlichste Ostseehafen", die nach Eröffnung des Nordostseekanals ausgegeben wurde, hätte man in Hamburg und Bremen die mecklenburgischen Vettern allenfalls als Zulieferer für die eigenen Häfen akzeptiert.

Doch in der DDR sah man die eigene Rolle anders. Schon am 22. Juli 1950 hatte Walter Ulbricht auf dem 3. Parteitag der SED erklärt: "Von großer Bedeutung für die Weiterentwicklung unseres Außenhandels ist die Schaffung einer neuen Hochseehandelsflotte der Deutschen Demokratischen Republik." Das erste Schiff wurde am 13. Oktober 1950 in Dienst gestellt: der kleine Dampfer "Vorwärts"; ein Exemplar jener im Grunde abbruchreifen Kohlenbrenner, die damals noch in beiden Teilen Deutschlands Gelder und Devisen einfahren oder einsparen mußten.

Der systematische Aufbau der neuen Handelsflotte begann dann 1952 mit der Gründung der Deutschen Seereederei. Rostock. Einer einzigen Reederei wurde die Verantwortung für die gesamte Hochseehandelsflotte der DDR übertragen.