Unter der Datumszeile 1. April hatten wir in der ZEIT so "exklusive Nachrichten" gemeldet wie die, daß sich die Oberkellner vom SDS bedroht fühlen, daß in der Hamburgischen Staatsoper eine Duftanlage eingebaut werden soll, daß "Pardon" Walter Bofehlichs Manifeste unter dem Titel "Heiteres aus dem Hessenlande" zu veröffentlichen gedenkt und eben auch, daß ein Institut für die internationale Peter-Handke-Forschung gegründet worden sei. Wir waren einigermaßen erstaunt, daraufhin in der Wiener "Presse" unter dem Titel "Überschätzt" die folgende Glosse zu lesen:

Kein Zweifel, dieser Peter Handke ist ein tüchtiger Mann. Ein vielseitiges Talent. Von all den jungen Leuten, die sich zur Stimme des Nonkonformismus gemacht haben, besitzt er wahrscheinlich das stärkste Sprachgefühl. Das Wissen um die Macht der Phrase, um die Ohnmacht des Wortes. Diese Eigenschaft besaßen vor ihm – um bei österreichischen Vorfahren im Geiste zu bleiben – ein Karl Kraus, ein Ödön von Horvath auch. Dennoch wurde diesen beiden bis heute nicht zuteil, was dem jungen "Publikumsbeschimpfer" und "Selbstbezichtiger" sein cleverer Verlag beschert: Ein eigenes Institut, das Richtlinien für die internationale Peter-Handke-Forschung ausarbeiten soll, die in Zukunft auf Wunsch von Handkes Verleger, Siegfried Unseld, straffer organisiert und koordiniert werden soll. Nun mag so eine "Gschaftelhuberei" wohl im Interesse des Suhrkamp-Verlages sein, dessen Werbetüchtigkeit kaum Grenzen respektiert, daß sich aber auch der Lehrstuhl für Deutsche Literatur der Technischen Universität Hannover, der Magistrat der Stadt Graz und die österreichische Gesellschaft für Literatur, die wohl glaubt, dabei nicht fehlen zu dürfen, an dieser Hypertrophie beteiligen, zeigt doch, wie sehr das Gefühl für Relationen verlorengegangen ist. Nochmals, junge Talente kann man nicht genug fördern, ob man ihnen hilft, indem man sie überbewertet und mit der Hybris der Reklame befrachtet, sei dahingestellt. Wie sich leicht zum Kasperl macht, wer den "Kaspar" überschätzt. h. n.