Ihrem Ruf, eine Goldgrube zu sein, hat die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, München, auch im Geschäftsjahr 1968 alle Ehre gemacht. Der Nettogewinn je 100-Mark-Aktie hat zwischen 50 und 60 Mark gelegen, zu dem die Hypothekenabteilung 40 bis 50 Prozent beigetragen hat. Der Gewinnzuwachs des Jahres 1968 dürfte bei 11 Prozent gelegen haben, er entspricht in etwa dem Wachstum der Bilanzsumme. Das Institut hat seine Ausschüttung auf 16 Prozent plus 4 Prozent Bonus belassen, also die Reserven 1968 besser dotiert als im Jahr zuvor.

Die offenen Rücklagen machen jetzt 273 Millionen bei einem Aktienkapital von 122,1 Millionen aus. Damit betragen die ausgewiesenen Eigenmittel nur 3,52 Prozent der Bilanzsumme. Da die Bank keine reine Kreditbank ist, sondern sich gleichfalls als Realkreditinstitut betätigt, gelten hinsichtlich der Eigenkapitalausstattung andere Maßstäbe als im übrigen Kreditgewerbe, wo als unterste Grenze 5 Prozent Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme angesehen wird. Je stärker allerdings die Bayern-Hypo ins internationale Geschäft kommt, um so mehr wird diese Relation zu einem Problem. Denn von den Ausländern wird man schwerlich erwarten können, daß sie die "Unterkapitalisierung" ohne weiteres akzeptieren. Daher dürfte für das kommende Jahr eine Kapitalerhöhung nicht ganz auszuschließen sein.

Das Schwergewicht ihrer Expansion wird die Bayern-Hypo künftig auf den Raum außerhalb der blauweißen Grenzpfähle legen. "Von einer bayerischen Regionalbank wollen wir uns zunächst zu einem süddeutschen Kreditinstitut entwickeln." Demnächst wird in Stuttgart und 1970 in Frankfurt eine Zweigstelle eröffnet. Von dort aus soll es dann weiter nach Norden gehen, wo die Hypothekenabteilung bereits mit eigenen Büros vertreten ist.

Über die vieldiskutierte Gründung einer bayerischen Großbank durch Zusammenschluß der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank mit der Bayerischen Vereinsbank unter möglichem Einschluß der Bayerischen Staatsbank wird nur ungern gesprochen. Darüber zu reden, sei die Zeit noch nicht reif, hieß es auf der Bilanzpressekonferenz. Ganz auf Eis scheinen diese Pläne indessen nicht zu liegen. Aber offenbar gibt es erhebliche Meinungsverschiedenheiten.

So strebt, wie man hört, die Bayerische Vereinsbank sofort eine Vollfusion an, während die Bayern-Hypo als Vorstufe eine gemeinsame Expansion außerhalb der bayerischen Grenzen für sinnvoller hält. Noch keine Klarheit besteht überdies, wie der Anteil des bayerischen Staates (den ja die Bayerische Staatsbank einbringen soll) an der neuen bayerischen Großbank sein würde, die – darüber besteht Einmütigkeit – ihren privaten Charakter niemals einbüßen dürfte. kw