Von Cornelia Jacobsen

Für Montag, den 31. März, hatte das politische Fernsehmagazin "Report" des Bayerischen Rundfunks einen Beitrag vorgesehen über Professor Dr. med. Georg Maurer, CSU-Stadtrat, Chef des Münchener Klinikums Rechts der Isar, Ordinarius für Chirurgie und Dekan der Fakultät für Medizin an der Technischen Hochschule München. Vier Tage vor dem Sendetermin jedoch bat Fernsehdirektor Clemens Münster überraschend zu einer Konferenz, auf der das Projekt recht unerwartet gestoppt wurde. Begründung: Das Material reicht nicht aus, "Report" müsse mehr zu einer Sache sagen können, als bereits allgemein bekannt sei.

Erstaunlich an dieser Geschichte ist nicht nur, daß es das erstemal war, daß der Münchener Fernsehdirektor sich so früh mit einem Beitrag für "Report" beschäftigte, sondern auch die Tatsache, daß dieser Beitrag als unzureichend erkannt werden konnte, obwohl er noch gar nicht vorlag.

Interne Selbstkritik war der öffentlichen Kritik zuvorgekommen. Der Ursprung dieses hurtigen Absetzungsverfahrens dürfte freilich kaum in den Chefzimmern des Bayerischen Fernsehens zu suchen sein. Es gibt zuverlässige Anzeichen dafür, daß der Anstoß dazu von außen kam, nämlich von Professor Maurer selber, jener umstrittenen Persönlichkeit, mit der sich der Report-Beitrag beschäftigen sollte.

Nicht von ungefähr hatte man Georg Maurer als Beispiel vorstellen wollen für das, was an unseren Hochschulen im Bereich der Medizin noch immer symptomatisch ist: uneingeschränkte Macht und autoritärer Führungsstil auf der einen, absolute Abhängigkeit und stummes Duckmäusertum auf der anderen Seite.

Im modernen Klinikum Rechts der Isar herrscht dieser Geist von vorgestern allerdings in besonders krasser Form.

Am 16. Dezember vergangenen Jahres gab der Senat der Technischen Hochschule eine Stellungnahme zum Hochschulgesetz-Entwurf von Kultusminister Huber ab, in dem unter anderem eine stärkere Beteiligung von Studenten und Assistenten in den Entscheidungsgremien der Hochschule gefordert wird. Am gleichen Tag überraschte die Fakultät für Medizin – also Professor Maurers Fakultät – mit einem "einstimmig beschlossenen" Sondervotum, in dem es zum Beispiel heißt: "Sollten die Pläne verwirklicht werden, die beabsichtigen, eine kollektivistische, paritätische Mitbestimmung in Kliniken und medizinischen Instituten und damit bei der Krankenversorgung einzuführen, so würde eine sachgerechte Erfüllung der Aufgaben unmöglich gemacht werden."