Rom, im April

Papst Paul VI. wird nicht, wie man es seit dem letzten Konzil öfters vermutete, das Kardinalskollegium abwerten. Sicherer Beweis dafür ist die Ausweitung des für den 28. April einberufenen Konsistoriums auf die Rekordzahl von 136 Mitgliedern. "Wir haben keine Veranlassung", sagte Paul VI. schon vor geraumer Zeit, "etwas an der Regel zu ändern, die uns von unseren hochverehrten Vorgängern überliefert unseren Seine Begründung: Die Wahl des Nachfolgers Petri sei "eine Handlung, die schädlichen Einflüssen und Gefahren aller Art ausgesetzt ist, wenn sie nicht – wie gegenwärtig – von einem hochqualifizierten Kardinalskollegium geschützt würde, das gegen alle Einmischungsversuche wurde, ist". Paul VI. hält also am Prinzip der Wahl des Papstes durch die Kardinäle fest, wie es von Nikolaus II. im elften Jahrhundert festgelegt wurde.

Bei der Auswahl der 35 neuen Purpurträger hat der Papst offensichtlich ein Gleichgewicht zwischen den Traditionalisten und den Fortschrittsfreudigen herstellen wollen. Den liberalen Kräften gefällt die Ernennung des Pariser Erzbischof Marty, der sich gegenüber den Forderungen des unruhigen französischen Klerus sehr aufgeschlossen gezeigt hat. Auch die Beförderung des Holländers Willebrands ist ihnen genehm. Dieser Bischof – gegenwärtig Sekretär im Sekretariat für die Einheit der Christen – gilt als Nachfolger des im vergangenen Jahr gestorbenen deutschen Kurienkardinals Bea. Man sagt ihm die Absicht nach, den Dialog mit den "getrennten Brüdern" der orthodoxen und protestantischen Kirchen voranzutreiben. Das konservative Lager wird verstärkt durch den Erzbischof von Nanking, Yu Pin, der seit der Eroberung seiner Diözese auf der Insel Formosa im Exil lebt und dort Generalissimus Tschiangkaischek berät, und durch drei italienische Kurienprälaten.

Nicht alle Wünsche der beiden Flügel wurden erfüllt. Zum Leidwesen der Progressisten wurde der Erzbischof von Recife (Brasilien), Pessoa-Camara, ein Repräsentant der "Kirche der Armen", übergangen. Die Konservativen hätten es gern gesehen, wenn der Erzbischof von Madrid, Morcillo-Gonzales, Kardinal geworden wäre. Ihm hat wahrscheinlich geschadet, daß er gegen den Wunsch des Papstes noch bis vor kurzem Staatsämter im Franco-Regime innehatte.

Auffallend ist die hohe Zahl von neuen Purpurträgern der westlichen Hemisphäre. Fünf Kardinäle kommen aus lateinamerikanischen Ländern, darunter zwei Brasilianer. Auch die USA sind mit vier Kardinälen gut weggekommen; der jetzige Bischof von Pittsburgh, Wright, wird sogar ein Kurienamt erhalten. Auf die weitere Internationalisierung des Kardinalskollegiums deutet auch die Ernennung von zwei Negern, nämlich des Erzbischofs von Tananarive (Madagaskar) und seines gleichrangigen Kollegen von Kinshasa (Kongo). Damit steigt die Zahl der farbigen Vertreter im Kollegium auf vier. Asiens Anteil ist mit vier neuen Kardinälen auf elf gestiegen.

Unter den Europäern können die Franzosen drei Ernennungen für sich buchen, wenn man den Jesuitenpater und berühmten Theologen Danilou, der sich in jüngster Zeit zu einem konservativen Denker entwickelt hat, zu den Erzbischöfen von Paris und Rennes hinzuzählt. Die Italiener wurden beim Promotionssegen relativ spärlich bedacht: außer den drei Kurienprälaten der Erzbischof von Bologna und vier apostolische Nuntien. Was Deutschland anbetrifft, so war die Erhebung von Erzbischof Höffner in den Kardinalsstand als Nachfolger des greisen Kölner Kardinals Frings von vornherein zu erwarten,

Azio de Franciscis