Von Charles Foley

Ein großes Oval von blaßgrauer Farbe und etwas bedrückender Wirkung hängt nun über dem glitzernden Publikum von Mailands großer Oper, der Scala. Das ist die neue Decke, die mit einem Kostenaufwand von rund 350 000 Mark eingebaut wurde. Die alte stürzte im Januar ein und brachte damit die Spielzeit zu einem vorläufigen Ende.

"Das Grau ist natürlich provisorisch", sagt der Direktor der Scala, Antonio Ghiringelli. "Im Juli und August, wenn das Theater geschlossen ist, wird sie wieder wie früher bemalt. Unterdessen ist jedoch die Akustik so gut wie eh und je."

Es geschah einige Stunden, nachdem der Vorhang über einer Aufführung von Verdis "Don Carlos" gefallen war: Ein großes Stück der Decke des 191jährigen Opernhauses stürzte krachend auf die hinteren Parkettreihen. Seitdem haben Gerüste den Zuschauerraum gefüllt, während Fachleute das Ausmaß des Schadens und die Gefahr weiterer Einstürze erforschten.

Das Theater war 1942 von Bomben getroffen worden, aber es war eines der ersten Gebäude, die nach dem Krieg wiederaufgebaut wurden. Damals wie heute wurden die Aufbauarbeiten von Direktor Ghiringelli beaufsichtigt. Was den Einsturz der Decke verursachte, bleibt ungeklärt. Vibrationen durch Sänger und Orchester? Minderwertiges Material, das beim Wiederaufbau verwendet wurde, weil besseres nicht zu haben war?

Jedenfalls ist das gähnende Loch wieder geflickt, und Wagner- und Pucciniklänge bezaubern von neuem ihr Publikum. Mit Instrumenten, die man bei der RAI-TV, der staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt auslieh, hat man mathematisch bewiesen, daß die Akustik des Theaters in der Tat unverändert ist.

Der trübe Anblick der neuen Decke ist vielleicht auch nicht so ganz unpassend. Es war eine glücklose Spielzeit für die Scala und ihren tatkräftigen Direktor. Antonio Ghiringellis 23. Jahr als Leiter des weltberühmten Opernhauses begann im letzten Dezember mit la contestazione.