Aus der Rundfunk- und Fernsehrede des Prager Parteichefs Dubček:

Obwohl es keine Gründe für eine nutzlose Panik gibt, verhehlen wir nicht die Gefahr: Ich lege Wert darauf, daß Sie wissen, daß die Zeit zur Konsolidierung, über die wir verfügen, nicht unbegrenzt ist. Infolge der letzten Ereignisse befinden wir uns wieder an einem fatalen Kreuzwege. Die Frage stellt sich jetzt wie folgt: Entweder gelingt es uns, die öffentliche Ordnung wiederherzustellen und jede extremistische antisowjetische, antisozialistische Manifestation zu verhindern, oder die steigende Spannung in unseren inneren ebenso wie in unseren äußeren Beziehungen wird uns dahin zurückwerfen, wo wir uns Ende August befunden haben...

Die Führung der Partei und des Staates wird alles tun, was das Gesetz verlangt und erlaubt, eine Grenze zu ziehen gegenüber den Aktivitäten der Kräfte und der Tendenzen, die die Gesellschaft in eine dauernde Spannung stoßen. Die letzten Ereignisse haben erneut einen schlechten Einfluß auf die Versuche der Partei gehabt, anzuknüpfen an die Nach-Januar-Politik, der das November-Plenum günstige Grundlagen geschaffen hat. Die traurige Wahrheit ist in der Tat, daß wir für diese Ereignisse einen erhöhten politischen Preis zahlen müssen, weil sie die politische Lösung der wichtigen Probleme verzögern.

Wir müssen also in allem Ernst den Schluß ziehen, der sich für die Arbeit der Partei stellt, um die Ruhe und Ordnung in unserem Land wiederherzustellen. Die letzten Ereignisse haben in der Tat das bestätigt, wodurch wir so oft die Aufmerksamkeit auf uns gezogen haben und was manche Leute sich weigerten zu verstehen: nämlich daß es bei uns antisowjetische und antisozialistische Kräfte und Tendenzen gab und heute noch gibt, die in einer Atmosphäre der Verwirrung an die Oberfläche kommen und die zu abenteuerlichen und sogar illegalen Taten führen. Ihre Aktivitäten provozieren die tragischen Konsequenzen und verhindern die Erfüllung der Nach-Januar-Politik. Der Antisowjetismus öffnet die Tür zum Antikommunismus und zum Abenteuertum und zum Vandalismus...

Wenn einige Extremisten ihre Glücksspiele fortsetzen sollten, würden wir unvermeidlich in ein wirtschaftliches und politisches Chaos stürzen, das wir nicht dulden können. Auf Grund der negativen Tendenzen der wirtschaftlichen Entwicklung sieht sich die Regierung gezwungen, energische und unpopuläre Maßnahmen zu treffen. Wir stellen fest, daß es nicht leicht sein wird, diese unentbetulichen Maßnahmen zu vermeiden, die wiederum als Vorwand für neue Unruhen benutzt werden können.

Wir sind der Mehrheit der Bevölkerung dankbar, daß sie unsere nachdrücklichen Aufrufe zur Ruhe verstanden hat. Aber heute erleben wir durch den Faktor extremistischer Kräfte – so kann man ohne zu übertreiben sagen – die ernstesten Tage seit August 1968. Wenn wir nicht mit der Zukunft unseres Volkes spielen wpllen, dürfen wir vor allem nicht den Ernst der Lage unterschätzen.