Amerikanische Unternehmen wollen in diesem Jahr wieder mehr Dollars im Ausland investieren. 1968 bremste die Regierung ihre Expansionslust im Ausland – die amerikanischen Auslandsinvestitionen stiegen nur noch um drei Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar. 1967 hatte die Wachstumsrate noch sieben Prozent und in den beiden vorausgegangenen Jahren sogar jeweils 20 Prozent betragen. 1969 soll sie wieder auf sieben Prozent steigen.

Auch die Stoßrichtung der US-Investitionen hat sich verlagert. Zwar entfiel immer noch ein Anteil von 35 Prozent auf Westeuropa. In absoluten Zahlen investierten die Amerikaner 1968 jedoch zehn Prozent weniger als 1967. Für das laufende Jahr wird eine geringfügige Erhöhung um zwei Prozent erwartet. Auch Kanada ist offensichtlich für amerikanische Investoren nicht mehr so interessant wie in der jüngsten Vergangenheit.

Die amerikanische Expansion geht jetzt vor allem in Richtung Südamerika. Während 1968 mit 1,7 Milliarden Dollar erst 17 Prozent der US-Auslandsinvestitionen auf diesen Erdteil entfielen, sollen es im laufenden Jahr mit 2,2 Milliarden fast 22 Prozent werden. Schwerpunkte werden die Bergbau- und die Erdölindustrie sein.

Die europäischen Direktinvestitionen in den USA erreichten 1967 – für 1968 liegen noch keine Zahlen vor – 750 Millionen Dollar. Damit betragen alle europäischen Investitionen in Amerika sieben Milliarden Dollar gegenüber 22,5 Milliarden der Amerikaner in Europa. Dabei haben die Engländer mit 3,2 Milliarden Dollar mehr als die gesamte EWG in den USA investiert, die bisher 2,4 Milliarden Dollar anlegte, von denen allein Holland, vor allem für die Erdölindustrie, 1,5 Milliarden aufbrachte.

Das verringerte Wachstum amerikanischer Auslandsinvestitionen und die Zunahme ausländischer Investitionen in den USA haben dem Verlangen der US-Wirtschaft, gesetzliche Beschränkungen aufzuheben, neuen Auftrieb gegeben.

Die Regierung Johnson hatte angesichts des ständigen Defizits der US-Zahlungsbilanz eine Genehmigungspflicht für Auslandsinvestitionen von einer bestimmten Grenze an und eine Besteuerung des Kaufs ausländischer Wertpapiere eingeführt. Johnsons Nachfolger Nixon hat jetzt den genehmigungsfreien Betrag von 200 000 Dollar auf eine Million Dollar heraufgesetzt, die Steuer für im Ausland gekaufte Wertpapiere halbiert und den amerikanischen Banken im Ausland einen größeren Spielraum für die Kreditgewährung eingeräumt.

Den negativen Einfluß dieser Lockerungen auf die amerikanische Devisenbilanz will Nixon durch einen "gerechteren" Ausgleich der Stationierungskosten von US-Truppen im Ausland erhalten. Mit anderen Worten sollen die Europäer, voraussichtlich vor allem die Bundesrepublik, stärker zum amerikanischen Zahlungsbilanzausgleich beitragen. mh.