Von Haug von Kuenheim

Amman, im April

Faruk Alami vergrub sein Gesicht in den Händen. Er atmete schwer. Der 30jährige Palästinenser machte den Eindruck eines Mannes, den man "fertig" gemacht hat. Nur stockend erzählte er: "Als Angehöriger eines El Fatah-Kommandos sollte ich Ende vergangenen Jahres in einem israelischen Militärkino bei Jerusalem eine Bombe legen. Bevor sie explodierte, wurde ich von den Israelis gefangengenommen. Sie wollten von mir die Namen meiner Kameraden wissen, das Lager, in dem ich ausgebildet wurde und die arabischen Familien, bei denen ich in den besetzten Gebieten untergekommen war. Ich schwieg und wurde gefoltert. Man riß mir die Fußnägel heraus, setzte mich unter Elektroschocks und schlug mich. Ein Militärgericht verurteilte mich schließlich zu 30 Jahren Gefängnis. Aus dem Maskobia-Gefängnis bei Jerusalem konnte ich dann mit sieben anderen arabischen Gefangenen nach Jordanien entfliehen."

Nach einer ersten Auskunft israelischer Behörden wurde ein Faruk Alami in den Gefängnissen nicht geführt. Auch sei von einem Ausbruch nichts bekannt; überdies: Israelis foltern nicht.

Während ich nach Kairo zurückfuhr, sah ich ihn vor mir, wie er da im Garten des Krankenhauses stand und mir kurz nachwinkte. Auf seinem Hemd leuchtete das Wappen El Fatah, mit den zwei vorgestreckten Fäusten, die Maschinenpistolen umklammern. War es Greuelpropaganda, die er mir da aufgetischt hatte? Oder stand mir da wirklich ein Opfer israelischer Terrormethoden gegenüber? Oder ließ Faruk Alami nur seine Phantasie spielen?

Kein Krieg wird mit Samthandschuhen geführt. Und wenn man den jungen, selbstbewußten Männern in Amman, Damaskus oder in den jordanischen Bergen begegnet, die die olivgrünen Uniformen der palästinensischen Freiheitskämpfer tragen, dann ahnt man, daß sie nicht zimperlich sind, harte Schläge auszuteilen. Und man ist davon überzeugt, daß sie es wohl auch in Kauf nehmen, harte Schläge einzustecken.

El Fatah – für die Araber ist es Parole, Zauberwort und Symbol der Hoffnung in einem. In Amman weiß jedes Kind, wo die Männer von El Fatah ihr Hauptquartier haben, der größten und schlagkräftigsten Befreiungsorganisation der Araber. Dort, wo die Villen vieler Jordanier stehen, residiert "Ahmed", der Sprecher von El Fatah. Er spricht fließend Französisch und Englisch und ist eine Mischung aus Hemingway und Günter Grass, hängender Schnauzbart, vierzig Jahre alt. Um ihn herum sind junge Leute, die in Deutschland oder Frankreich studiert haben und ihr Public-Relations-Geschäft beherrschen. Dazwischen stehen Burschen mit umgehängten Maschinenpistolen. Im Nebenzimmer lassen sich junge Mädchen in Miniröcken bewundern. Photographieren ist nicht gestattet.