Von Karl Heinz Wocker

Die derzeitige Situation der Londoner Außenpolitik ist von Ian Fleming, dem Barden des britischen Nadi-Suez-Chauvinismus, oft genug beschrieben worden: James Bond, allein wie immer, dringt ins angeblich uneinnehmbare Hauptquartier des Gegners britischer Entfaltung ein. Vor ihm lauern die Gefahren, da geht hinter ihm ein Fallgitter herunter. Daß ein rechter Brite dennoch durchkommt, ob der Feind ein Doktor ist, der No heißt, oder ein General, der non sagt, daran zweifelt der Leser keine Seite lang.

Es spricht für die Ernsthaftigkeit des britischen Wunsches, dem Gemeinsamen Markt beizutreten, daß die Alternativen, die sich derzeit wegen der Aussichtslosigkeit des Unterfangens anbieten, von der Regierung nicht erwähnt werden. Um so ausführlicher wird darüber in jenem Teil der Öffentlichkeit diskutiert, der das bloße Warten auf de Gaulles Abgang für unbefriedigend hält. Politiker wie der Ex-Handelsminister Douglas Jay ( Labour) und der Rassen-Guru von Wolverhampton, Enoch Powell (Tory), verlangen die Zurücknahme des Beitrittsgesuchs. Die politologische Literatur zu diesem Thema ist zwar umfangreich, aber seltsam unergiebig.

David Calleo, ein Berater im amerikanischen Außenministerium, der zwei Jahre am Nuffield College in Oxford arbeitete, versagt sich begreiflicherweise einen Ratschlag in seinem Buch

David Calleo: "Britain’s Future"; Hodder and Stoughton, London 1968; 252 S., 45 Shilling.

Calleo führt aus, welche Vorteile das doppelte Veto des Generals für England gebracht habe, vor allem eine Ernüchterung: "Es ist ein Irrtum, den Gemeinsamen Markt für einen Klub zu halten. Er ist eine Glaubensgemeinschaft. Die Briten müssen zu Europäern konvertieren." Die Nafta und ähnliche atlantische Lösungen untersucht Calleo genau, mit überwiegend negativem Resultat; hier sieht er, der Amerikaner, die britischen Illusionen am schärfsten. Eine solche Freihandelszone werde Englands Zahlungsbilanz vielleicht weniger belasten als der Beitritt in Brüssel, aber dafür den scharfen Wind der amerikanischen Konkurrenz noch spürbarer machen als bisher. Das Pfund werde gestärkt, müsse aber seine Reserve-Rolle verlieren. Er faßt Pro und Kontra so zusammen: "Eine Nafta enthält wenig politische Gefahren für England, aber auch wenig Möglichkeiten."

Versuche einer Wiederbelebung am Commonwealth und das Risiko des bindungslosen Alleingangs, von Calleo der Vollständigkeit halber mit angeführt, werden von den meisten Autoren nicht ernsthaft erwogen. Lord Gladwyn, der unermüdliche Champion des Beitritts zum Gemeinsamen Markt und einstige britische Botschafter in Paris, geht in seinem Buch