Von Willi Bongard

Vor einem halben Jahr noch war sein Name nur einigen wenigen deutschen Kunsthändlern, Museumsdirektoren und Mitarbeitern der Aachener "Trumpf"-Schokoladenwerke Monheim GmbH bekannt. Seit sechs Wochen ist er in aller Munde, macht er Schlagzeilen und liefert er zumindest all denjenigen Gesprächsstoff, die sich ernsthaft für die Kunst der Gegenwart interessieren.

Über Nacht ist Dr. Peter Ludwig, Mitinhaber der "Trumpf"-Werke, als einer der größten – wenn nicht der größte – Sammler aktueller Kunst berühmt geworden. Von heute auf morgen ist das Kölner Wallraf-Richartz-Museum – durch Ludwig und dessen großzügige Leihgabe von etwa hundert Gemälden, Skulpturen, Objekten und rund fünfzig Graphiken zeitgenössischer Kunst – zu dem bedeutendsten Museum für die Kunst der Gegenwart geworden.

Wer das Wallraf-Richartz-Museum, das insbesondere für seine herrliche Sammlung mittelalterlicher Kunst bekannt ist, heute betritt, der traut seinen Augen nicht. Der Besucher begegnet im Parterre und im zweiten Stock einer imponierenden Vielzahl von Kostproben der Pop-, Op- und Minimal Art, des Nouveau Réalisme und der Neuen Abstraktion, die den Neid eines jeden Museumsdirektors und Sammlers diesseits wie jenseits des Atlantik erwecken müssen.

Der Sammler und studierte Kunsthistoriker Peter Ludwig, der mit einer Arbeit über "Picassos Menschenbild" promoviert hat, macht kein Hehl aus der Begeisterung darüber, daß das Wallraf-Richartz-Museum sein Angebot akzeptiert hat, anderthalbhundert Werke aktuellster Kunst in seine Sammlung aufzunehmen und diesen Werken – die "Museumsweihe" zu erteilen. Er macht aber ebensowenig ein Hehl daraus, daß er der gleichen Kunst, für die er bisher an die zweieinhalb Millionen Mark ausgegeben haben dürfte, vor zwei Jahren noch "ablehnend" gegenüberstand.

Man wird es dem Kunsthistoriker Ludwig schwerlich verdenken können, daß er die schreienden – manche meinen immer noch "himmelschreienden" – Bilder insbesondere der amerikanischen Pop Art, die heute das Herzstück seiner Sammlung bilden, bis vor kurzem in Frage stellte und nicht im Traum daran dachte, auch nur einen Pfennig dafür locker zu machen. Schließlich hatte sich die Sammelleidenschaft Ludwigs und seiner Frau Irene, geborene Monheim, über zwei Jahrzehnte lang auf alte und mittelalterliche Kunst konzentriert.

So ganz genau weiß es Ludwig selbst nicht mehr, wann der Funke der Begeisterung für die Kunst der Gegenwart auf ihn übersprang. Als tätiger Mitinhaber der Aachener Trumpf-Schokoladenfabriken hatte es ihn seit Anfang der sechziger Jahre mehrfach nach New York geführt, wo er die Museen fleißig besuchte – einschließlich des Museums of Modern Art. Der gipserne "Bus-Chauffeur" von George Seagl, eines der ersten Pop-Kunstwerke, für die sich das Museum of Modern Art erwärmen konnte, "schockierte" den Sammler Ludwig zwar, aber es sollte bis zum Herbst 1966 (oder war es 1967?) dauern, ehe er – nicht zuletzt unter dem Eindruck der "Pop-Schatten", die die 4. documenta vorauswarf – auf den Gedanken kam, seinen Sammeltrieb auszuweiten auf die immer noch nicht ganz unumstrittene Pop Art und den Neuen Realismus.