Von Peter Grubbe

Israel hat einen neuen Exportartikel entdeckt. Seit einiger Zeit exportieren die Israelis in steigendem Maße nicht mehr nur Orangen und Zitronen – sondern Offiziere. Der zweimalige Sieg über die zahlenmäßig erdrückende Übermacht der Araber hat besonders in den Ländern der Dritten Welt Eindruck gemacht. Nachfragen nach "militärischer Entwicklungshilfe" reißen bei den "Preußen des Nahen Ostens" nicht ab.

Einer der jüngsten "Kunden" ist der Stadtstaat Singapur. Singapur ist seit 1959 ein selbständiger Staat. Zur Zeit schützen noch britische Soldaten den viertgrößten Hafen der Welt. Aber die Engländer wollen ihren Militärstützpunkt abbauen. Die Zahl der in Singapur stationierten Streitkräfte wurde bereits erheblich verringert, und mit der endgültigen Liquidierung der Basis rechnet man für die nächsten drei bis fünf Jahre. Daher ist Singapur gezwungen, möglichst rasch eine eigene Armee auf die Beine zu stellen.

Als Ausbilder hat sich die Regierung des Stadtstaates neben Engländern und Angehörigen asiatischer Commonwealthländer drei bis vier Dutzend Israelis gesucht. Auf die Frage nach dem Grund dieser Wahl erklärte der Verteidigungsminister, der wie die Mehrzahl seiner Landsleute Chinese ist:

"Wir müssen in der Lage sein, uns gegen die Kommunisten zu schützen, wenn die Engländer fort sind. Da wir eine blockfreie Politik betreiben, kommen die Amerikaner dafür nicht in Frage. Israel dagegen gehört keinem der beiden Blöcke an, und die Israelis haben gezeigt, daß sie militärisch etwas leisten."

Ein hoher Beamter im Verteidigungsministerium wurde deutlicher:

"Israel hat etwa zweieinhalb Millionen Einwohner und ist von hundert Millionen mohammedanischen Arabern umgeben. Wir sind in Singapur anderthalb Millionen Chinesen, und um uns herum leben hundertzwanzig Millionen mohammedanische Malaien, die uns genauso hassen wie die Araber die Israelis. Die Israelis haben gezeigt, wie man sich erfolgreich gegen eine solche Übermacht verteidigen kann. Von denen kann man etwas lernen."