Zur Zeit erleben wir eine Gründungswelle privater Vermögensberatungsgesellschaften. Diese Unternehmen behaupten von sich, für ihre Kunden erfolgreicher zu sein als die deutschen Kreditinstitute, deren alleinige Domäne bisher diese Sparte war. In einem früheren "Gespräch" habe ich bereits zum Ausdruck gebracht, daß mir der jetzt zwischen den privaten Firmen und den Banken aufkommende Wettbewerb schon deshalb sinnvoll erscheint, weil die Kreditinstitute gezwungen sein werden, etwaige Interessenkonflikte, die sich aus ihrer Stellung als Universalbanken ergeben, zugunsten der Kundschaft zu lösen. Denn sonst werden sie zwangsläufig im Konkurrenzkampf mit den privaten Beratungsgesellschaften unterliegen.

Nun ist eine private Beratungsgesellschaft aber nicht schon deshalb gut, weil sie bankenunabhängig ist. Die meisten sind zu jung, um heute schon ein Qualitätsurteil fällen zu können. Was aber gesagt werden muß: Die jungen privaten Unternehmen sind keine Banken, sie unterliegen keiner amtlichen Aufsicht und in den meisten Fällen sind ihre Haftungsmöglichkeiten so begrenzt, daß sie praktisch als nicht vorhanden gelten können.

Daraus folgt: Von einer "Beratungs"gesellschaft soll man lediglich den "Rat" kaufen; man sollte sich aber davor hüten, ihnen Vermögenswerte zur freien Verfügung zu überlassen und immer daran denken, daß von ihnen ausgestellte Quittungen nicht viel mehr wert sind als ein Stückchen Papier.

Wenn wir unter diesem Gesichtspunkt die Arbeitsweise von Intravest Anlagevermittlung GmbH, Frankfurt/Main, betrachten, stoßen wir auf einige erstaunliche Fakten. Die Intravest ist für die Investment-Broker Intravest International Corp. S.A. und International Commodities (ICC) in der Bundesrepublik als lizenzierter Vertreter tätig. ICC ist wiederum die Tochter einer panamesischen Gesellschaft, gegründet von A. W. Herbage, der auch in seiner Frankfurter Niederlassung gelegentlich tätig ist. Spezialität von Herbage ist die Spekulation in Kakao. Zu diesem Zweck rief er in Liechtenstein die "International Commidities Investment Fund Anstalt (ICIF)" ins Leben, die sich auf Warentermingeschäfte spezialisiert hat.

Intravest in Frankfurt bietet aber nicht nur den ICIF-Fonds an, sondern vorzugsweise auch Dreyfus, Enterprise und Winfield. Die Kundschaft beschaffte sich Intravest durch Inserate. Schlagwort ist: "Mobil investieren". Darunter soll verstanden werden, daß das Geld jeweils in solche Fonds angelegt wird, die für die Zukunft die besten Erfolge versprechen.

Hier ist nicht der Platz, die Frage zu erörtern, wie so etwas beurteilt wird. Einer Vermittlungsfirma muß es zwangsläufig darauf ankommen, die Anlagen der Kundschaft möglichst oft umzuschichten. Da gerade dies bei amerikanischen und pseudoamerikanischen Fonds wegen der damit verbundenen Spesen (im ungünstigsten Fall 8,5 Prozent vom Wert der Anlage) eine kostspielige Sache ist, tauscht Intravest zu 1,75 Prozent, wobei noch zu untersuchen ist, ob diese 1,75 Prozent auch auf den Erwerb sogenannter No-loads-Fonds-Anteile berechnet werden, die bekanntlich spesenfrei bezogen werden können. Ich empfehle Intravest-Kunden, diesem Problem einmal nachzugehen.

Wer schon Investment-Anteile besitzt, kann sie bei Intravest in Zahlung geben. Sie werden dann, so behauptet die Geschäftsleitung, in "bessere" Fonds getauscht.