Die Angriffe werden zahlreicher und schärfer, die Angegriffenen schweigen weiter; inzwischen richten sich die Vorwürfe gegen Erscheinungen, für die der Begriff der bewußten Irreführung schon nicht mehr zu genügen scheint. Jüngste Folge ist ein Brief Wend Fischers, des Leiters der "Neuen Sammlung" in München, in dem er seinen Austritt erklärt: aus dem Koordinierungsbeirat. des "Rates für Formgebung" und aus dem, Verwaltungsrat des "Gestaltkreises im Bundesverband der deutschen Industrie", Gleichzeitig widerruft er seine Zustimmung zu einer Erklärung, mit der der Beirat im Dezember über die Aufteilung des Geschäftsführer-Amtes beider Institutionen getröstet wurde: Weder entsprach die Versicherung der Wahrheit, noch wurde, infolgedessen, die Unabhängigkeit des von der Industrie okkupierten "Rates für Formgebung" (ZEIT Nr. 51/1968) wieder hergestellt. Die Industrie hält weiterhin alle Spitzenposten besetzt.

Der Eklat hatte Mitte vorigen Jahres begonnen, nachdem Fritz Gotthelf, der unabhängige Geschäftsführer beider Institutionen, auf ärgerliche Weise gefeuert worden war: Er hatte sowohl den vom Bundestag eingerichteten, kläglich finanzierten, aber kulturellen und gesellschaftlichen Aufgaben verpflichteten "Rat für Formgebung" geleitet als auch den rein privatwirtschaftlichen Interessen dienenden "Gestaltkreis im Bundesverband der deutschen Industrie". Im Dezember Wurde nun dem Koordinierungsbeirat eröffnet, der Industrie-Vertreter Stein fungiere lediglich als "administrativer Geschäftsführer" der Designer Prof. Gutmann als "fachlicher Geschäftsführer". Die Gleichberechtigung war nur eine Fiktion. Dem Anrufer Fischer wurde mit später Offenheit versichert, es gäbe nur einen "Geschäftsführer" (Stein), dazu einen "fachlichen Leiter" (Gutmann). Womit man die aufgestörte Öffentlichkeit beruhigen wollte, war falsch.

Die Gleichgültigkeit, mit der die Bundestagsabgeordneten diesem Treiben zuschauen, ist beträchtlich. Manfred Sack