Bremen

Die Pastoren Kalberlah, Suhlrie, Lahusen und Schulken wollen es wissen: was ihre 120 Bremer Kollegen, was die 11 000 amtierenden evangelischen Pastoren und Pastorinnen in der Bundesrepublik und was die Delegierten des Bundesparteitages der Sozialdemokraten Deutschlands zum Thema "Entwicklungshilfe" zu sagen haben.

64 Bremer Theologen schlossen sich der schriftlich formulierten Idee der vier Aktiven an: die protestantischen Geistlichen und ihre Gemeinden in der Bundesrepublik aufzufordern, vom Parteitag einer großen Partei ein deutliches Wort in Sachen "Entwicklungshilfe" zu fordern.

Am vergangenen Wochenende wurden in ehrenamtlicher Fleißarbeit von Bremen aus 11 000 Briefe, versehen mit 64fachem Pastorenvotum, in die Pfarrhäuser in Stadt und Land verschickt. Inhalt: "Wir erwarten vom Bundesparteitag der Sozialdemokraten Deutschlands eine klare Aussage zum Problem der Entwicklungshilfe. Wir beziehen uns auf die Weltkirchenkonferenz in Uppsala 1968. Dort wurde allen Christen empfohlen, ihre Wahlentscheidung von der Stellungnahme der Parteien zur Entwicklungshilfe abhängig zu machen. Wir erwarten vom nächsten Bundestag: eine wesentliche Erhöhung der Gelder für Entwicklungshilfe und Maßnahmen zu einer tiefgreifenden Aufklärung der Bevölkerung über die Probleme der Dritten Welt."

In den elftausendfachen Schreiben an ihre Amtsbrüder nennen die Bremer Zahlen: "Vier Prozent der Bevölkerung sind für eine Erhöhung der Entwicklungshilfe, 27 Prozent fordern eine Herabsetzung, 13 Prozent lehnen jede Entwicklungshilfe ab. Dementsprechend spielt das Thema in den Programmen unserer Parteien, die ja auf Wählerstimmen angewiesen sind, eine untergeordnete Rolle. Diesen Zustand halten wir für unhaltbar."

Noch weiß man in Bremen nicht, wie viele Theologen die in den Briefen ausgesprochene Bitte, in künftigen Gottesdiensten von der hanseatischen Aktion zu berichten und sie durch Unterschriften zu bekräftigen, erfüllen werden. Aber – so einer der vier Initiatoren "Die ersten Poststapel mit meist zustimmenden Kommentaren treffen ein. Wir haben es zum Teil mit Rückfragen zu tun, die den Abschlußbericht der Sektion III der Uppsala-Konferenz betreffen."

Andere Rückfragen, ob die Aktion nicht "einseitig" sei, wenn sie sich als Adressaten den SPD-Parteitag wähle, beantworten die Bremer Theologen so: "Wir werden unsere Anfrage an die Sozialdemokraten und ihren Godesberger Parteitag zwischen dem 16. und 18. April richten. Danach werden wir auch von den anderen Parteien ein klares Wort zum Thema Entwicklungshilfe fordern. Wir erhoffen von jeder Partei, daß sie dieser Existenzfrage unserer Generation mit Weitsicht und Entschlossenheit begegnet."