An unserer Überzeugung, daß die Empfänger von Einladungen jährlich mindestens 200 Mark für Kunst ausgeben sollten, möchten wir jedoch festhalten. Jetzt kennen Sie unsere Gründe. Jetzt wissen Sie, daß unsere Trennung reparabel ist. So können wir uns also freundlich von Ihnen verabschieden."

Dies sind die letzten Sätze eines kartonierten Briefes mit dem Portät des Absenders, den Helmut Rywelski, der Inhaber der Kölner Galerie "art intermedia" an solche Leute verschickt, die seine Galerie-Einladungen nur "als einen Teil selbstverständlicher, standesgemäßer Gesellschaftsspiele" betrachten, ohne darauf zu reagieren oder gar bei ihm zu kaufen. Rywelski ist es offenbar leid, mehr oder weniger kostspielige Einladungen zu drucken und zu versenden, wenn jede Reaktion darauf ausbleibt. Er bildet sich – mit Recht – ein, mit seiner Galeriearbeit Besonderes zu leisten und also Anspruch auf (mindestens 200 Mark) Jahresumsatz je Einladungsempfänger zu haben.

Seine Einladungen unterscheiden sich von anderen Galerie-Einladungen vor allem durch ihre Briefumschläge. Diese Umschläge sind bis hart an den Platz, der für Adresse und Briefmarke bleiben muß, mit Mitteilungen gespickt. In knappem Stil informiert das Kuvert über Preise, branchenspezifisch Neues, Internes und gibt die Meinung des Galeristen sowie hektographierte Pressestimmen wieder.

Das Kunstangebot Rywelskis wird mit der Atemknappheit eines Kaufhaus-Propagandisten verkündet: "H. P. Alvermann hat neue Nazischweine gemacht, je Stück 25 Mark" – "Der große Umsatz hat die Preise für New Yorker Vernissage-Krawatten halbiert: jetzt nur noch 15 Mark." – "Eine Graphik von Richard Hamilton, die auf dem "Kunstmarkt" 400 Mark kostete, bietet "art intermedia" nach wie vor für 200 Mark."

Rywelskis Absicht ist es, seinen Kunden das Gefühl zu geben, früh dabeizusein, bevor die Preise in die Höhe gehen. Eine Beuys-Aktion im vergangenen Dezember habe der Galerie Gewicht gegeben und dieses Gewicht diene jetzt den bei ihm ausstellenden unbekannteren Künstlern. Als Erweiterung seines Galerieprogramm bietet "art intermedia in Kürze einen Zwölf-Minuten-Beuys-Film an. "Simultan-Eisenkiste" ist der Titel dieses Streifens, der in unbegrenzter Auflage hergestellt werden soll. Über den Endpreis entscheiden die Kopierkosten. Rywelskis Kosten Voranschlag: 700 Mark pro Film.

"art intermedia", eine Probierküche des Kunstmarktes, in der künstlerische Produkte auf ihre Fähigkeit sich zu halten, getestet werden? In der Weise, daß Rywelski Künstler ohne den "Vorkau-Prozeß" einer breiteren Anerkennung vertritt, stimmt das. Nur ein Kulturdezernent könne es sich heute noch leisten, etwas erst dann zu kaufen, wenn es sich durchgesetzt habe, meint Rywelski. Kunsthistoriker als Direktoren zeitgenössischer Museen betrachtet er als "Witz". Jede normale Stadtbücherei sei bis zur letzten handwarmen Flugblatt-Lyrik bestückt, wohingegen Museen meistens noch nicht das bildnerische Parallelstück zu Günter Grass besäßen.

Der kaufwillige Millionär, der den Tip bekam, Modernes bei "art intermedia" kaufen zu können, wurde an Ort und Stelle kaufunwillig, weil ihm die Objektpreise zwischen 300 und 800 Mark zu niedrig waren. "Ich gebe jährlich eine Million Mark für Kunst aus", sagte der reiche Mann. Daher müsse der Wert seiner Erwerbungen in Relation zu den Quadratmetern seiner Wände stehen.