Von Anna Luise Korn

Die kleine magere Frau sitzt zusammengeduckt auf dem Stuhl und mustert die Beraterin mißtrauisch: "Schade, ich dachte, ich käme zu einem Herrn... denn nur ein Mann könnte meinem Mann mal richtig Bescheid sagen, von einer Frau nimmt er nichts an ...", sagt sie und fischt nach dem Taschentuch; denn da kommen bereits die Tränen. Die Beraterin klärt sie darüber auf, daß hier keine amtliche Stelle sei, wo man dem Ehepartner "Bescheid" sagt, sondern daß man gemeinsam herausfinden müsse, woran es liegt, wenn es nicht klappt. "Er schimpft, prügelt mich und die Töchter, wirft mit Tellern und – dabei habe ich alles getan. Er nennt mich immer Mutti..."

Es dauert eine Weile, bis ihr nach längeren Gesprächen klar wird, daß sie ihm nur Mutti und sonst nichts war, nicht die Frau, die ihn zum Mann hätte werden lassen können.

"Er hat immer Krach mit seinen Vorgesetzten und verliert dauernd seine Arbeit, aber sonst ist er ein guter Mann, ich kann mich nicht beklagen, er trinkt nicht, raucht nicht, geht regelmäßig zur Kirche, natürlich, schlagen tut er mich oft, auch die Kinder, aber er sagt, ich soll ihn daran erinnern, wenn ich wieder mal schwanger bin, dann hört er auf zu schlagen", sagt die rundliche Vierzigerin. Und eine andere:

"Was mache ich nur mit meinem Jüngsten? Er leidet unter Angstzuständen, ich war schon beim Nervenarzt mit ihm, aber der kann nichts finden. Er ist halt viel geschlagen worden von meinem Mann, bei der kleinsten Sache." Sie kramt ein Photo hervor. Da sieht man sie aufgereiht, die Kinder, Mutter und Vater. Er ist ein biederer Handwerker, das Kinn nach unten gedrückt, jeder Zoll ein Ehrenmann. "Laienprediger in der Freikirche und sehr fromm", sagt sie nicht ohne Stolz. "Der Ältesten hat er mal ein Stuhlbein über den Kopf geschlagen, wir zittern alle vor ihm ..."

"Konnten Sie sich nicht dagegen wehren?" fragt die Beraterin.

"Was soll man machen, ich bin doch so erzogen von daheim, man muß alles tun, was der Mann will..."