Der militärische Konflikt in Vietnam war immer ein Krieg ohne Fronten. Das macht es so schwierig, ihn zu beenden. Der parallel laufende politische Konflikt ist ein Kampf an vielen Fronten. Das macht ihn so unübersichtlich. Er wird vor und hinter den Kulissen der Pariser Konferenz ebenso geführt wie an verschwiegenen Plätzen in Vientiane oder Moskau, in den vietnamesischen Weilern wie auf den Straßen der amerikanischen Großstädte; es ist ein Ringen nicht nur zwischen den Kriegsparteien, sondern auch unter Verbündeten.

In dem verwirrenden Kaleidoskop von Reden und Dementis läßt sich immerhin eine durchgehende Linie erkennen: Die Regierung Nixon will, auf verschiedenen Wegen, unbedingt dem Frieden näher kommen: durch Teilung der Verhandlungen in einen politischen und einen militärischen Strang, durch einseitigen Truppenabzug, durch "Signale" an Moskau und Hanoi (etwa durch die Verringerung der Fernbombereinsätze).

Sanfter Druck auf das Militärregime in Saigon hat den General Thieu zu Konzessionen genötigt, die noch vor einem Jahr jedem, der sie forderte, ein paar Jahre Gefängnis eintrugen. Er will nicht nur mit der Befreiungsfront verhandeln, er bietet ihr sogar Beteiligung an freien Wahlen an. Freilich sind seine Offerten noch mit soviel unannehmbaren Vorbedingungen befrachtet, daß man in Hanoi und bei der NLF getrost abwarten kann, bis er im Preis nachläßt.

Nixon steckt jetzt wie sein Vorgänger im Vietnam-Dilemma. Ostern haben zum erstenmal in seiner Amtszeit wieder Amerikaner gegen den Krieg demonstriert. Die Versuchung, ihn anders als Johnson zu führen und das Engagement rascher abzubauen, wird täglich größer. Andererseits wächst die Gefahr, daß Amerika mit jeder Konzession bei den asiatischen Nationen an Kredit einbüßt. Der Gegner kennt diese Schwächepunkte. Er wird in den kommenden Monaten härter verhandeln denn je. K.-H. J.