Von Ferdinand Ranft

Bis in Bonns abgelegene Dietkirchenstraße drang der Lärm nicht. Während sich die Delegierten des Verbandes Deutscher Studentenschaften (VDS) in Köln die Köpfe heißredeten, und die Axt an die Fundamente des Verbandsgebäudes legten, schickte sich der "Deutsche Studenten-Reisedienst" an, seine fünfzehnte Feriensaison zur bisher erfolgreichsten werden zu lassen.

So revolutionär sich die VDS-Leute sonst auch geben, im Büro ihrer Reiseorganisation schlagen sie sich auf die Seite der etablierten Manager. Gemeinsam mit den Ingenieur-Studenten, den Studierenden der Berufspädagogischen Hochschulen, der Höheren Wirtschaftsschulen, der Sozialschulen und der Werkkunstschulen sind sie immer noch Hauptgesellschafter des Deutschen Studenten-Reisedienstes. Die 60 Angestellten in der Bonner Zentrale konnten ihren Buchungsgeschäften bisher ungestört, nachgehen. Die Geschäfte gehen nicht schlecht. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz auf rund 19 Millionen Mark an. Das größte Teilnehmeraufkommen erbrachten die Transporte. 70 000 junge Leute fuhren mit Jugendsonderzügen nach London, Athen, Kopenhagen, Istanbul, Paris, Rom, Belgrad, Barcelona und Prag. England verbuchte dabei mit 70 Prozent den Löwenanteil.

16 000 Schüler und Studenten, 30 Prozent mehr als im Vorjahr, ließen sich zu ihren Ferienorten fliegen. Auch hier dominierte England mit 75 Prozent, Griechenland und die Türkei teilten sich in den Rest.

An den Ferienreisen des DSR nahmen 18 000 Jugendliche teil, so daß für das abgelaufene Jahr die stattliche Zahl von 104 000 Teilnehmern registriert werden konnte. Der Mädchenüberschuß hält sich dabei in Grenzen; rund 55 Prozent der Reisenden sind junge Damen.

Gegenüber anderen Reiseorganisationen hat der Deutsche Studenten-Reisedienst zweifellos zwei gewichtige Vorteile. Erstens einmal gelten Studenten und Schüler allerorten immer noch als minderbemittelt und genießen deshalb besondere Vergünstigungen. Zweitens kann der DSR durch seine Kontakte mit den großen Studentenorganisationen aller Nationen ein weltweites und dabei gut geleitetes Ferienprogramm offerieren.

Die vorteilhaften Studentenpreise springen besonders bei den Flügen ins Auge. Während Studenten und Schüler mit besonderen Maschinen beispielsweise für einen Flug von München nach London und zurück 202 Mark bezahlen, kostet es im Liniendienst mehr als 500 Mark, Aber nicht nur bei diesen "Charter-Linienflügen" profitiert der freilich eng auf Schüler und Studenten begrenzte Teilnehmerkreis, auch im Linienverkehr gibt es den sogenannten Student-Fare. Wer seinen Schüler- oder Studentenausweis in der Tasche hat, fliegt mit der Israelischen Luftverkehrsgesellschaft von Frankfurt nach Tel Aviv anstatt für 640, nur für 320 Mark.