Der Wiener Bildhauer und Designer Ludwig Redl, Jahrgang 1942, ist nicht wenig stolz darauf, die ersten Kleinplastiken im Fließbandverfahren hergestellt und seine Kunst endgültig den Gesetzen der industriellen Massenfabrikation unterworfen Zu haben. Zwar sind mittlerweile etliche Kostproben der "ars multiplicata" auf dem Markt, die nach dem gleichen Verfahren hergestellt worden sind; aber Redl beansprucht das "Erstgeburtsrecht" für die Verwirklichung der Idee der Plastik vom Fließband für sich.

Real ist insofern einen neuen Weg gegangen, als er sich nicht nur eines schon vorhandenen Fertigungsbandes, nämlich der Metallbau Wien, bedient hat, sondern außerdem auf vorgefundene industrielle Halbfabrikate zurückgegriffen hat, die er miteinander kombiniert. Sein "Objekt 1", eine konstruktive Kleinplastik, die er im Frühjahr 1967 auf Band legte, um sie auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich zu machen, besteht aus folgenden Teilen: sechs symmetrisch montierte U-förmige Plexiglas-Profile, weiß und farbig leuchtend, im Format 50×50×50 Millimeter, die normalerweise als Armaturengläser für Flugzeuginstrumente Verwendung finden, zwei halbautomatisch gefertigte Schrauben, die die Plexiglas-Profile um eine Achse drehbar machen; ein matt eloxierter Leichtmetallstab, der in verschiedener Größe im Möbelbau Verwendung findet; eine Sockelscheibe, die im "normalen" Produktionsprozeß die Funktion einer Anschraubplatte für Wandlampen erfüllt (120 Millimeter Durchmesser). Diese Teile werden auf einem Montageband der Firma Metallbau montiert, die auf Spezialteile für den Kraftfahrzeugbau und die Flugzeugindustrie spezialisiert ist.

Die Bestandteile des Redl-Objekts lassen sich durch Drehen der U-Profile verschieben, wobei die Farben der Plexiglas-Profile zu reizvollen Überschneidungen variiert werden können. Rote und grüne Leuchtgläser sind nach Bedarf getrennt als "Ersatzteile" lieferbar.

Ein großer Vorteil dieser Art von Serienfabrikation besteht darin, daß die Produktionskosten unabhängig von der Höhe der Auflage niedrig gehalten werden können, zumal die Maschinen ohnedies zur Verfügung stehen und sich also nicht durch große Serien amortisieren müssen. Der Künstler wendet lediglich die List an, das Fließband in seinem Sinne umzuprogrammieren und aus vorgefundenen Materialien ein künstlerisches Objekt zu gestalten.

Von seinem ersten Objekt sind bisher allerdings erst 200 Exemplare hergestellt worden. Des Vertriebes für Österreich und die Bundesrepublik haben sich die Kunstkritiker Manfred de la Marie (Bamberg, Schützenstraße 42), Thomas Lehner (Nürnberg, Geuderstraße 9) und der Redl-Bruder Leopold Redl (Wien, Aichhorngasse 4) angenommen. Das Objekt 1 wird gegenwärtig zum Stückpreis von 30 Mark angeboten. In Frankreich, in der Schweiz und den Vereinigten Staaten setzen sich Claude Givaudin (201 Boulevard St. Germain, Paris 8 bzw. 16 Place Longmete, Geneve) sowie die Edition Multiple (929 Madison Avenue, New York) für die Redl-Fließbandplastik ein. Der Künstler hat sein Objekt ausgesprochen "sozial" kalkuliert und verdient am Stück ganze 2 Mark.

Das Redl-Objekt 2, "Multiple Pneumatik ist bisher in 15 Exemplaren aufgelegt worden. Ein drittes Objekt, "Multiple Superpneumatic", steht vorerst in 5 Exemplaren zum Preis von 250 Dollar zur Verfügung. Obwohl beide Objekte von der Jury des Deutschen Kunstpreises der Jugend für die Ausstellung in Mannheim abgelehnt wurden, läßt sich Redl in seinem seriellen Produktionseifer nicht beirren. Was ihm weit mehr Kopfzerbrechen bereitet als die "Anerkennung" seiner Kunst durch Jurys und Kritiker ist der Vertrieb: "Nirgends existiert ein künstler- und konsumfreundlicher Vertrieb, der diese Objekte ohne übertriebene Profitgier wirksam vertreibt und dafür wirbt." th.