Zum erstenmal in der Geschichte der Humanmedizin hat ein Mensch vorübergehend mit einem künstlichen Herzen gelebt. Dem 47jährigen Amerikaner Haskel Karp war das Kunststoffherz am Karfreitag im St.-Lukas-Episkopal-Krankenhaus zu Houston/Texas von dem berühmtesten Herzchirurgen Amerikas, Denton Cooley, eingesetzt worden.

Höchstens zehn Tage – so vertraute Cooley der Öffentlichkeit an – könnte die von außen gesteuerte Blutpumpe zuverlässig arbeiten und damit das Leben des Patienten so lange erhalten, bis ein natürlicher Herzspender zur Verfügung stehe. Die Ehefrau des Patienten richtete einen Appell an alle Amerikaner: "Es muß recht bald ein Herzspender gefunden werden..." Die Klinik in Texas wurde von Angeboten überschwemmt.

Nach 65 Stunden war es so weit: Aus Boston wurde die 40jährige Witwe Barbara Ewan abgeholt. Sie litt an einem unheilbaren Hirnleiden. Am Ostersonntag begann ihr Herz in Karps Brust zu schlagen – nach der 19. Herztransplantation, die das Spezialisten-Team der texanischen Klinik ausgeführt hatte.

Zur gleichen Zeit absolvierte Professor Barnard, der erste Arzt, der eine Herzverpflanzung gewagt hatte, im Groote-Schuur-Krankenhaus seine vierte Transplantation. Spenderin war eine 54jährige Mulattin, Empfänger ein 63jähriger Weißer. Barnard erklärte, er plane in absehbarer Zeit nicht, Patienten künstliche Herzen einzusetzen.

Dem Patienten Barnards ging es bei Wochenbeginn zufriedenstellend, Cooleys Patient hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen und starb Dienstag. Bisher wurden auf der Erde 125 Herzverpflanzungen ausgeführt. 42 Patienten leben noch.