Nixon sagt Amerikas Wundermanagern den Kampf an

Von Ursula Engelen-Kefer

In einer ganzseitigen Anzeige fragte die "Gulf & Western Industries, Inc." jüngst: "Kann das Unternehmen des 21. Jahrhunderts mit der Unternehmensstruktur des 19. Jahrhunderts wachsen?" Das Unternehmen gab selbst die Antwort: "Wir sagen nein. Wir haben einen Mischkonzern aus vielen Untergesellschaften aufgebaut. Jede einzelne Konzerngruppe ist leistungsfähig und wird von Managern geführt, die ihre Märkte genau kennen."

"Ein offenes Gespräch mit LTV" ist ein zweiseitiges Inserat von "Ling-Temco-Vought, Inc." überschrieben. Das "offene Gespräch" besteht aus Fragen und Antworten, in denen der Konzern behauptet, wenn es auch im gegenwärtigen Fusionsboom einige "schwarze Schafe" gäbe, LTV sei keines davon.

Die Antitrustwächter in Washington denken hierüber jedoch anders. Vor wenigen Tagen hat das Justizministerium ein Antitrustverfahren gegen Ling-Temco-Vought angekündigt. Der texanische Mischkonzern soll seine im vergangenen Jahr erworbene Beteiligung von 63 Prozent an "Jones & Laughlin Steel Corp. (J & L)" wieder abgeben.

Nixons Antitrustchef, Richard W. McLaren, hat damit wahr gemacht, was er seit seinem Amtsantritt wiederholt an die Wand malte: spektakuläre Kartellklagen gegen führende Konglomerate. Mit seinem Verfahren gegen LTV will McLaren nun zunächst einmal testen, ob und wieweit Konglomeratfusionen die geltenden Wettbewerbsvorschriften verletzen.

Conglomerates – im Deutschen mangels eines besseren Ausdrucks "Mischkonzerne" genannt sind seit einigen Jahren der Schrecken all jener, die sich in der amerikanischen Regierung und im Parlament für die Wirtschaft verantwortlich fühlen. Es sind Zusammenschlüsse von Firmen, die in ganz verschiedenen Branchen tätig sind – Stahl und Theater, Tabak und Textil, Lebensmittel und Versicherungen. Es sind industrielle Gemischtwarenläden, wie in der Bundesrepublik – mit Backpulver, Schiffen und Bier – beispielsweise Rudolf Oetker einen hat.