Staatliche Unternehmen sind eine beliebte Zielscheibe der Kritiker. Sicher arbeiten sie auch in manchen Bereichen schwerfälliger und weniger effektiv als Privatunternehmen. Das trifft bei uns vor allem auf Bahn und Post zu, die jedoch nicht nur durch gesetzlich festgelegte Auflagen, sondern auch durch den Beamtenstatus der Mitarbeiter in ihrer Beweglichkeit und Entscheidungsfreiheit eingeengt sind.

Es ist aber ungerecht, wenn der Offenbacher "Verband der Postbenutzer" der Post strafrechtlich zu ahndende Ausbeutung der Notlage vorwirft, weil sie im Fernsprechbereich über die Kosten hinaus einen Gewinn erzielt. Die Post hat nie bestritten, die Gesamtheit ihrer Aufgaben nur mit einer Mischkalkulation in allen Bereichen zu Preisen erfüllen zu können, die für die Allgemeinheit erträglich sind.

Was würden wohl die Mitglieder des Verbandes der Postbenutzer sagen, wenn sie zwar billiger telephonieren könnten, dafür aber für die Versendung eines Oster- oder Weihnachtspaketes statt 1,80 Mark kostendeckende sechs oder sieben Mark bezahlen müßten? Kritik ist nützlich, aber Sachlichkeit sollte auch dabei nicht völlig unter den Tisch fallen. mh