Von Dietrich Strothmann

Seit 1959 sammelt "Brot für die Welt", eine Organisation des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche, Geld für die Entwicklungshilfe. Pro Jahr werden dafür rund 25 Millionen Mark gespendet. Die gleiche Summe gibt der Bund der "Evangelischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe". Aus ihren Steueraufkommen will die Kirche nun ebenfalls Mittel abzweigen, zunächst zwei, später fünf Prozent. Für den Anfang sind das zusätzlich rund 30 Millionen Mark.

Das Hospital liegt wie eine Festung auf dem Berg. Es heißt Acha Tugi und wurde vor vier Jahren eröffnet. Es ist im einsamen Grasland Westkameruns das einzige weit und breit. Aus einem unwegsamen Gebiet, in dem rund 100 000 Menschen wohnen, kommen die Patienten oft über 80 Kilometer gewandert. In langen Tagesmärschen werden sie, von ihren Angehörigen auf den Schultern oder in selbstgebastelten Bahren getragen, zum Doktor nach Acha Tugi gebracht. Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, daß er besser helfen kann als der Medizinmann im Dorf. Dr. Schwarz, ein Schweizer der Baseler Mission, versteht es auch, mit ihnen umzugehen. Er ist der Typ eines modernen Pioniers. Er missioniert nicht, er hilft und heilt.

Acha Tugi ist eines der Projekte von "Brot für die Welt". Knapp 1,3 Millionen Mark hat dieses Buschhospital gekostet, in dem im vergangenen Jahr 15 000 Kranke behandelt wurden, davon 1200 stationär. Chefarzt Schwarz, dem sechs weiße Schwestern, sechs Hebammen und dreißig afrikanische Hilfsschwestern zur Seite stehen, ist Tag und Nacht im Dienst. Er muß Doktor für alles sein – für kranke Augen und für kranke Zähne. Über 400 große und mehr als 1000 kleinere Operationen sind sein Jahrespensum. Der Preis für eine Entbindung entspricht einem Gegenwert von drei Kesseln Kartoffeln.

Die Arbeit in dem abgelegenen Hospital Acha Tugi ist hart. Sie zehrt an den Kräften. Es ist keine Arbeit für jedermann, auch nicht für medizinische Romantiker vom Schlage eines Albert Schweitzer. Realisten, die zupacken können, sind hier gefragt; Entwicklungshelfer, die auch einmal einem widerspenstigen Häuptling behutsam die Meinung sagen und dafür sorgen, daß endlich eine Straße in Ordnung gebracht wird, die sich zur Regenzeit stets in einen reißenden Fluß verwandelt. Ein Arzt im Busch von Kamerun ist mehr als ein Arzt; er muß mehr sein: Organisator und Erzieher, Mediziner und Techniker.

Für die Zukunft plant der Hospitalchef Schwarz die Einrichtung einer Quarantänestation für Fälle offener Tuberkulose und die Erweiterung von 90 auf 120 Betten. Acha Tugi ist ein Musterbeispiel für eine vernünftige und wirkungsvolle Entwicklungshilfe. Für die Bekehrung "armer Seelen" ist hier kein Platz. Schmerzen zu lindern, Krankheiten zu bekämpfen, steht an erster und an letzter Stelle.

Der Holländer Peter Herold ist 31 Jahre alt. Er ist von Haus aus Theologe. Aber mit dem, was ihm in den Seminaren beigebracht wurde – Christentum als missionarischer Selbstzweck – hat er nichts im Sinn. Für ihn ist die Bibel ein soziales Handbuch, praktiziertes Bekenntnis versteht er als praktische Hilfe im Alltag. Peter Herold steht dem Foyer de l’oeuvre social oecumenique vor, einem "Haus der offenen Tür", Es liegt mitten im größten Slumviertel Doualas.