ZDF, Sonntag, 6. April: "Ein Leben in Gold", höfische Kunst des Rokoko in deutschen Sammlungen

Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz schrieb im Jahre 1756 an Voltaire einen in der Sendung zitierten Brief, in dem er sich sehr gescheit über den trügerischen Charakter, über die Doppelbödigkeit seiner Zeit äußerte. "Dies schöngeglättete Jahrhundert", meinte er, "das man wohl als das goldene bezeichnet, scheint mir Ähnlichkeit zu haben mit Sirenen, deren obere Hälfte sich als reizende Nymphe zeigt, während die untere in einen grausigen Fischschwanz ausläuft."

Claus Hermans und Arno Schönberger, die Autoren des ZDF-Films, verfielen nicht in den Fehler, das Rokoko vordergründig als die unproblematische Kunst einer monarchisch-aristokratischen Gesellschaft anzupreisen, die Anmut und erlesenen Geschmack besaß und Kultur "trug".

Nicht allein das Leben in Glanz und Kostbarkeit wurde plausibel gemacht, das Zusammenspiel von Plastik, Malerei, Architektur, Möbel, Kunstgewerbe, Parkstruktur in einem Gesamtkunstwerk. Es wurde der geistesgeschichtliche und soziale Hintergrund skizziert.

Beispiele für die Herkunft von Formen und Haltungen wurden aber zum Teil zu weit hergeholt. Man mag noch Rubens mit seinem "sinnenvollen Triumph der Weiblichkeit" zitieren. Aber Rembrandts (Frankfurter) Blendung Samsons oder seinen Mann mit dem Goldhelm in diesem Zusammenhang zu nennen, das ist zu hoch-, das ist vorbeigegriffen. Zumal wenn man näherliegende Themen wie die Pastellmalerei oder die Pervertierung der höfischen Rokoko-Kunst in eine süddeutsche Volkskunst völlig übergeht.

Der Film sprach, was seinen Rang unterstreicht, auch von der Maßlosigkeit und der Grausamkeit etwa der Jagden, von der Sehnsucht nach der Rückkehr zur Natur, von der Ironie und den Möglichkeiten der Selbstdarstellung im Spiel, dem Vertauschen von Parkett und Bühne.

Ein exzellenter Film also?