Unter dem Grollen der Geschütze am Suezkanal und im Jordan-Tal trafen die UN-Botschafter der vier Großmächte am Montag in New York zu ihrem dritten Gespräch über den Nahostkonflikt zusammen. Gastgeber seiner Kollegen Yost (USA), Malik (Sowjetunion) und Berard (Frankreich) war diesmal Lord Caradon (Großbritannien). Vor der fast vierstündigen Sitzung hatten die Diplomaten ein formloses Gespräch mit König Hussein von Jordanien.

Der Monarch hatte zum Abschluß eines dreitägigen offiziellen USA-Besuchs am Donnerstag voriger Woche vor dem Washingtoner Presseklub einen Sechs-Punkte-Friedensplan entwickelt, hinter dem auch der ägyptische Staatspräsident Nasser stehen soll: 1) Einstellung aller Kriegshandlungen, 2) Anerkennung der Souveränität, der territorialen Integrität und der politischen Unabhängigkeit aller Nahoststaaten, 3) Anerkennung sicherer und gerechter Grenzen, Freiheit von Drohungen mit Gewalt und Krieg, 4) Freie Schiffahrt durch den Golf von Akaba und den Suezkanal, 5) Garantie der territorialen Unverletzlichkeit aller Staaten durch entmilitarisierte Zonen, 6) Gerechte Lösung des Flüchtlingsproblems und Rückzug der Israelis aus allen 1967 besetzten Gebieten.

Aus Husseins Plan, der sich an die Nahostresolution des Sicherheitsrates vom 22. November 1967 anlehnt, ging nicht eindeutig hervor, ob der Rückzug der Israelis weiterhin als arabische Vorbedingung gelten soll. In Jerusalem fanden, die Vorschläge wenig Gegenliebe. "Wenn die Araber den Frieden wollen, können sie ihn haben", sagte Ministerpräsident Frau Golda Meir, durch direkte Verhandlungen und nicht durch Erklärungen vor einem Presseklub. Außenminister Eban setzte die Frage hinzu: "Warum spricht Naser nicht für sich selost?" Erst vorige Woche hatte Nassers Vertrauter Heikal in seiner Zeitung "Al Ahram" einen Präventivschlag über den Suezkanal. hinweg gefordert, bei dem 10 000 bis 20 000 Israelis auf einen Hieb getötet werden könnten.