"Ein zweites Kind können wir uns nicht leisten" – 1100 Mark brutto im Monat Schluß mit Fußball, doch Übung bei der Feuerwehr

Von Kai Krüger

Mit dem Auto ist Finkenwerder doppelt so weit vom Stadtzentrum entfernt wie mit der Fähre. Die Hamburger kennen von Finkenwerder die Silhouette der Deutschen Werft, die jetzt "Howaldtswerke – Deutsche Werft AG" heißt, davor die Docks und etwas flußabwärts die langgestreckte Halle der Hamburger Flugzeugbau. Und Gorch Fock.

Die Fähre legt unterwegs auf Waltershof an, der Ponton war früher die Jachthafenausfahrt, die Ausfahrt ist zugeschüttet. Es ist ablaufend Wasser und noch immer Ostwind.

Günther Strankmann ist 35 Jahre alt, verheiratet, ein Kind, förderndes Mitglied des TuS Finkenwerder und in der Freiwilligen Feuerwehr. Von Beruf ist er Schweißer, beschäftigt bei der DW, wie die mit den Howaldtswerken fusionierte Deutsche Werft noch lange heißen wird auf Finkenwerder.

Ich will ihn besuchen.

Dunkelrote, verwitterte Backsteinbauten. Wohnblocks aus den zwanziger oder dreißiger Jahren, mit braunem Rasen und hüfthohen Hecken davor. Ein Bahnübergang. Strankmann wohnt am Norderdeich: Häuser aus Gorch Focks "Seefahrt ist not" ducken sich hinter einer breiten Hauptstraße, eins an das andere gelehnt, Läden mit Schaufenstern im ersten Stock. Gegenüber wieder Backstein, uniform in Zeilen oder in U-förmigen Höfen zur Straße hin offen, breiter als tief, doch ohne Licht.