Über dem Nahen Osten hängen die Zeichen eines neuen Krieges. Moshe Dayan spricht von der Gefahr einer Eskalation in diesem Sommer. Hassanein Heikal, Nassers "Stimme" und Chefredakteur von Al Ahram, sagte eine neue Sinai-Schlacht für den Juni voraus. Die Araber, so verkündete er, müßten einen "unanfechtbaren Sieg" erringen und mindestens 15 000 israelische Soldaten töten. Vor knapp zwei Jahren hat es schon einmal auf diese Weise angefangen.

Die UN-Botschafter der vier Großmächte, die sich zum drittenmal Zu Beratungen über einen nahöstlichen Befriedungsplan trafen, strahlen währenddessen Optimismus aus. Bestärkt wurden sie darin durch die Friedensbotschaft König Husseins, die nach Auskunft des Monarchen mit Nasser abgestimmt worden war. Doch gleichsam um des Jordaniers Koexistenz willen zu torpedieren, belegten Guerillas der El Fatah die israelische Hafenstadt Eilat mit Raketen. Sie durchkreuzten das stillschweigende Abkommen mit dem König, durch solche Attacken nicht den ebenso verwundbaren jordanischen Hafen Akaba zu gefährden. Er könnte von den Israelis in einem Gegenschlag lahmgelegt werden, das Land wäre dann von jeder Seezufuhr abgeschnitten.

Damit nicht genug: Kaum hatte Hussein vorgeschlagen, für einen israelischen Truppenrückzug und eine Flüchtlingsentschädigung könnte sich die Jerusalemer Regierung "sichere und anerkannte Grenzen" samt freier Schiffahrt einhandeln, schossen die Araber wieder quer. Ein El-Fatah-Funktionär widersprach: "Der Krieg zur Befreiung Palästinas kennt keine Grenzen." Und aus Kairo hieß es: Nasser habe den Israelis eine ungehinderte Schiffspassage nur für den Fall zugesagt, daß sie alle Flüchtlinge wieder aufnähmen. Radio Algier diffamierte Husseins Angebot gar als eine "neue Verschwörung, im Dunkeln ausgeheckt und vom US-Imperialismus inspiriert" ab; der König habe kein Recht, im Namen der-Palästinenser zusprechen. Und die Palästinensische Befreiungsorganisation lehnte jeden Friedensvorschlag ab, ob er von den Großmächten oder von einer arabischen Regierung stamme. Was Wunder, daß die Israelis skeptisch bleiben?

Es reimt sich auch vieles, was arabische Staatsmänner fordern und anbieten, nicht recht zusammen. Hussein sprach in den USA von der Wiederherstellung der Grenzen, wie sie vor dem Junikrieg 1967 bestanden; er deutete sogar "Verbesserungen" zugunsten der Israelis an. Gegenüber dem UN-Vermittler Jarring indessen verlangte er, nicht anders als Nasser, daß sich die Israelis bis zu den Grenzlinien von 1947 zurückziehen müßten, den Markierungen des alten UN-Teilungsplanes. Welches Wort gilt nun?

Auch Ägyptens Staatspräsident gab zuweilen zu erkennen, daß er den Israelis für Gegenleistungen die freie Schiffahrt durch internationale Gewässer zugestehen würde. Er sagte nur nie genau, welche. Dachte er dabei nur an die Straße von Tiran oder auch an den Suezkanal, der seiner Ansicht nach keine internationale Wasserstraße ist, jedenfalls nicht für Schiffe, die den Davidsstern tragen. Manchmal begnügte er sich bei diesem gesprächsweise angedeuteten Tauschhandel auch mit dem Truppenrückzug der Israelis vom rechten Kanalufer; als Draufgabe wollte er dann sogar die Sinai-Halbinsel entmilitarisieren und einer UN-Wache unterstellen. Auch davon ist nun keine Rede mehr.

Die Gründe für dieses arabische Doppelspiel liegen auf der Hand. Durch übertriebene Forderungen, die Israel zurückweisen muß, durch Kriegsgeschrei und militärische Aktionen, die Israels Reaktionen herausfordern, soll der Judenstaat vor aller Welt in die Rolle des Störenfriedes gedrängt werden.

Hauptantreiber dieser Diffamierungspolitik sind die Führer der Guerillas und der palästinensischen Organisationen, die mächtig genug sind, jeden Ansatz zu einem Arrangement zunichte zu machen. Nicht einmal Nasser hat noch die Wahl zu freien Entscheidungen. Noch weniger vermag sich König Hussein gegen sie durchzusetzen. Er ist, wie erst die jüngsten Zwischenfälle wieder gezeigt haben, in ihrer Hand. Die Verantwortlichen der Eilat-Kanonade ließ er zwar einsperren, gab sie aber schon nach wenigen Stunden wieder frei. Ein arabischer Diplomat bestätigte kürzlich, was längst keine Neuigkeit mehr ist: "Die palästinensischen Kommandos werden Hussein umbringen, wenn er es wagen sollte, sich mit den Juden zu einigen."

Über die Köpfe der Guerilla-Fanatiker hinweg gibt es keine Nahostregelung, geschweige denn einen Nahostfrieden. Und noch gibt es kein Rezept, wie die Großmächte mit ihnen fertig werden könnten. Dietrich Strothmann