Der englische Industrieriese Imperial Chemical Industries Ltd. (ICI), mit 187 000 Beschäftigten in aller Welt und fast 12 Milliarden Mark Umsatz zweiter in der Weltrangliste der Chemie, setzt zum Sturm auf den kontinentaleuropäischen Markt an. In den Ausbau der Festlandbastion wurden bislang rund 800 Millionen Mark investiert. Die Schwerpunkte: Das Werk Rozenburg in Holland mit acht Anlagen zur Herstellung von Chemikalien aller Art, das Werk Baleycourt bei Verdun mit Kunststoffrohstoffen und schließlich das Faserwerk Oestringen bei Heidelberg. Der heutige Umsatz von 1,5 Milliarden Mark in Kontinentaleuropa soll in wenigen Jahren verdoppelt werden.

In der Bundesrepublik, einem Markt, dem ICI besonders gute Aussichten einräumt, gelang ein erster Durchbruch bereits im letzten Jahr. Der Umsatz stieg um nahezu das Doppelte auf 350 Millionen Mark. Rund zwei Drittel davon entfielen auf Chemiefasern, etwa 50 Millionen auf Farben. Aber die Expansion ist bei weitem noch nicht abgeschlossen. In Oestringen (mit über 2000 Mitarbeitern) wird die Kapazität laufend erhöht. Doch schon heute sieht man hier "Grenzen der Leistungsfähigkeit". Der Aufbau eines zweiten großen Werkes wäre sicher keine Überraschung. Anders als in England wollen die ICI-Herren in Europa aber nicht in die Verarbeitung gehen.

Die britische Polyesterfaser Terylene aus Oestringen liegt heute gut im deutschen Markt, nicht zuletzt dank einer gezielten Werbung für Anzüge, Mäntel, Hosen und Freizeitjacken aus "Crymplene", einem texturierten Terylenefaden. Die Ziele von ICI gehen aber weiter: Zahlreiche neue Artikel aus eigener Forschung, speziell für die EWG-Länder entwickelt, sollen die ICI-Marktquote kräftig in die Höhe treiben. eh