Von Rolf Diekhof

Deutschen Reiseveranstaltern und Reisebüros droht neue Konkurrenz: Die Banken wollen ihren Kunden in Zukunft auch Reisen verkaufen – bargeldlos und mit mehr Service als irgendein Reisebüro.

Der jüngste Angriff auf die Urlaubskassen deutscher Familien kommt von der Bank der Gewerkschaften, der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG). Die BfG gründete Anfang April das Reiseunternehmen "g-u-t gemeinwirtschaftliches unternehmen für touristik". Das Versprechen der "g-u-t": "Ein umfangreiches Programm mit Leistungen auf allen einschlägigen Gebieten der Touristik Das erste große Programm soll 1969/70 erscheinen.

Für die Gewerkschaften lag der Start in das "große" Touristikgeschäft nahe. Zahlreiche kleinere gewerkschaftliche Veranstalter, wie zum Beispiel Popularis-Reisen und Star-Reisen, tummeln sich schon seit Jahren auf dem Reisemarkt. Doch gegen die überwältigende Konkurrenz der großen Reisefabriken hatten sie es schwer, sich durchzusetzen.

Die kleinen Veranstalter sollen nun unter die Fittiche der Gewerkschaftsbank kommen und zu einem großen Unternehmen vereint werden. Man wird die bestehenden Reisebüros übernehmen und zusätzlich neue, sicher weitaus wichtigere Wege erschließen, um die Gewerkschaftsreisen an den Touristen zu bringen.

Ob man allerdings das hochgesteckte Ziel auch tatsächlich erreichen wird, ist noch gar nicht sicher. "Ziel des Unternehmens", so die Bank für Gemeinwirtschaft, "ist es, weiten Bevölkerungskreisen, die bisher noch nicht oder auf eigene Faust Urlaubsreisen unternommen haben, interessante und dabei preisgünstige Reisen anzubieten." Diese potentiellen Pauschaltouristen werden von den großen Veranstaltern schon lange umworben.

Für die Werbung wird man wohl alle gewerkschaftlichen Organisationen und Unternehmen von der Gewerkschaftszeitung bis zur Volksfürsorge-Versicherung einspannen. Die BfG hat sich immerhin das Ziel gesetzt, etwa 10 Millionen Haushalte mit 25 Millionen Personen über die "der Gruppe zur Verfügung stehenden Werbemedien" anzusprechen.