Von Willi Bongard

Es war ein Angebot, wie es großzügiger nicht hätte sein können: Einmal wöchentlich eine wirtschaftspolitische Kolumne, die auf Wunsch auch jemand anders geschrieben hätte, zum Preis von 12 000 Mark jährlich, auf Lebenszeit garantiert.

Dieses hochherzige Angebot eines westdeutschen Groß Verlags hatte nur einen Haken: Der Umworbene hätte sich fortan aller Angriffe auf die zunehmende Pressekonzentration enthalten und sich statt dessen über weniger heikle Themen verbreiten müssen.

Professor Dr. jur. Dr. rer. pol. Helmut Arndt, Ordinarius an der Freien Universität Berlin, Direktor des Instituts für Volkswirtschaftslehre sowie Direktor des Instituts für Konzentrationsforschung, lehnte dankend ab. Die Rechnung des Verlegers, der da geglaubt hatte, den Verfasser der Schrift "Die Konzentration in der Presse und die Problematik des Verleger-Fernsehens" mundtot machen zu können, ging nicht auf.

Mit dieser Schrift sowie mit einer Vielzahl anderer Veröffentlichungen zu dem gleichen Thema, insbesondere auch zu der Fragwürdigkeit eines kommerziellen "Verleger-Fernsehens", hat sich Helmut Arndt in gewissen Verlagskreisen überaus mißliebig gemacht. Gleichzeitig aber hat er sich auf diese Weise einen Namen in der Öffentlichkeit gemacht und sich den Respekt vieler Journalisten verschafft, die in ihm einen unerschrockenen Verteidiger der (inneren) Pressefreiheit schätzen gelernt haben, die nach Arndt "nur dann gewährleistet ist, wenn eine Vielzahl unterschiedlicher – voneinander politisch und wirtschaftlich unabhängiger – Presseorgane vorhanden ist und die Redakteure und Berichterstatter gegenüber den Verlegern frei sind".

Helmut Arndt ist durch seine Beiträge zur Konzentrationsforschung nicht nur in Berlin und in der Bundesrepublik bekannt geworden; er darf es sich zur Ehre anrechnen, daß er im April 1968 von dem berühmten Subcommittee on Antitrust and Monopoly of theCommittee onthe Judiciary des amerikanischen Senats eingeladen wurde, um über die Konzentrationsentwicklung in der Bundesrepublik und die spezifischen Probleme der westdeutschen Pressekonzentration auszusagen.

In der an seinen Vortrag vor dem Unterkomitee des amerikanischen Senats anschließenden Diskussion wurde Arndt von Senator Hart mit der Feststellung belobigt: "Sie haben einen großartigen Satz ausgesprochen, von dem ich sicher bin, daß ich ihn stehlen werde: Die Freiheit der Presse kann nicht nur von Staats wegen zerstört werden, sondern ebensosehr durch private Geschäftsmacht".